„Die phamazeutische Botanik der Hl.Hildegard von Bingen“ von Alfred Pfäffl  (Promotionsarbeit)

Die phamazeutische Botanik der Hl. Hildegard von Bingen

von Alfred Pfäffl  

Geschichtliche Vorbemerkungen

Der Glaube an die aus den chemischen Fabriken stammenden Heilmittel ist in den letzten Jahren so allgemein geworden, dass vielen Menschen die Erinnerung abhanden gekommen ist, dass seit den frühesten Zeiten der Menschheit bis in die Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein, nur Pflanzen zur Zubereitung von Heilmitteln verwendet worden sind.

Gewiss muss zugestanden werden, dass vielfach die rein chemischen Stoffe sicherer wirken, da sich ihre Gaben leichter abmessen lassen. Aber wie es sinnlos wäre, allem und jeglichem Kranksein nur durch die Anwendung von Heilkräutern entgegenzutreten, so ist es gewiss unangebracht, unsere alten heimischen Arzneipflanzen samt und sonders als etwas Altmodisches, längst durch die Fortschritte der ärztlichen Wissenschaft Überholtes beiseite schieben zu wollen. Denn seit Urzeiten hat die Menschheit in den Nöten des Leibes bei den Kräutern, wie die draußen in Feld und Flur wachsen, ihre Zuflucht gesucht. Und viele Jahrhunderte hindurch bis weit in die Neuzeit herein war die Pflanzenkunde ein Zweig der Heilkunde, Arzt und Botaniker vereinigten sich in einer Person.

Sinn dieser Darstellung soll es nun sein, uns mit dem botanischen Wissen einer großen Frauengestalt des Mittelalters bekanntzumachen, nämlich Hildegard von Bingen, die in ihren beiden naturwissenschaftlichen Werken „Physica“ und „Causae et curae“ zu den ersten gehört, die auf deutschem Boden zu dieser Zeit den Versuch gemacht haben, eine möglichst umfassende Darstellung der damals bekannten und gebräuchlichen Heilpflanzen zu geben.

Hildegard von Bingen wurde 1098 als Jüngste von 10 Kindern des Burggrafen von Böckelheim an der Nahe, Hildebert und dessen Gemahlin Mathilde, geboren. Schon als achtjähriges Kind wurde Hindegard von Bingen der klösterlicher Zucht und Schulung übergeben. Sie ist dem klösterlichen Stande und der Regel des heiligen Benedikt treu geblieben und hat vom Jahre 1147 ab bis zu ihrem Tode 1179 das auf dem Rupertusberg bei Bingen auf ihr Betreiben hin gegründete Kloster der Benediktinerinnen als Äbtissin geleitet.

Sie stand im Briefwechsel mit den erlauchtesten Persönlichkeiten ihrer Zeit, mit Konrad III., Friedrich I., Friedrich II. Barbarossa, der sie besonders hoch schätzte, mit mehreren Päpsten und einer großen Zahl von Bischöfen und Äbte. Als fromme, hochgebildete Frau wird sie von ihren Zeitgenossen verehrt.

Durch ihre große Vorliebe für Medizin und Naturwissenschaften wurde sie eine stets hilfsbereite Ärztin und als Verfasserin von mystischen Schriften eine eigenartige Erscheinung, die schon früh in den Ruf einer Seherin kommt.

Außer ihrem Briefwechsel besitzen wir von ihr Werke verschiedener Richtungen. Das mystische Werk „Sciviae“ = „Sci vias (Domini)“, „Wisse die Wege (des Herrn)“ und zwei medizinische die „Physica“ und die „Causae et curse“. Die „Physica“, oder ursrpünglich „Libri novem subtilistum de diversis creaturis“, oder „Liber simplicis medicinae“ ist von Daremburg und Reuß bearbeitet in Migne „Patrologiae cursus“ (Paris 1855) herausgekommen und auch von Berendes in der „Pharmazeutischen Post“ in Wien 1894 behandelt worden. Es ist ein pharmakologisches Sammelwerk mit einem reichlichen, naturwissenschaftlichen aber auch medizinischen Inhalt und behandelt unter Angabe der Arzneiwirkungen eine Anzahl von Heilstoffen gesondert nach dem Naturreich.

Die „Causae et curae“ (Krankheitsursachen und Behandlung) hatten einen rein medizinischen Inhalt. Das Manuskript liegt in der Kgl. Bibliothek in Kopenhagen, wird von Karl Jessen 1862 erwähnt und ist 1903 von Karl Kaiser bearbeitet worden. Beide Werke haben, da sie in mehreren Handschriften auf uns gekommen sind, umfangreiches Schrifttum ausgelöst.

Hildegard von Bingen selbst gibt an, daß beide Schriften die Frucht achtjähriger Arbeit darstellen. Man setzt ihre Entstehung in die Jahre 1150-1160. Als gereifte Frau diktierte sie in deutscher Sprache ihre Gedanken dem Mönch Volmar, der sie ins Lateinische zu übertragen hatte und nach seinem Tode dem Mönch Wibert vom belgischen Kloster Gembloux. Beide walteten als Vorleser und Übersetzer. Versagten die lateinischen Kenntnisse dieser Mönche gelegentlich, wenn es galt für Tiere, Pflanzen, Heilmittel und Krankheitserscheinungen den richtigen Ausdruck zu finden, so ließ Hildegard von Bingen, die damals das Lateinische noch nicht voll beherrschte, die entsprechenden deutschen Ausdrücke mitten im lateinischen Text stehen. Auf diese Weise hat sie auch einen Schatz von seltenen, mittelhochdeutschen Wörtern hinterlassen.

Wenn wir nun etwas tiefer in das medizinische Denken und Handeln jener Zeit eindringen wollen in der Hildegard von Bingen gelebt hat, ist es wohl nötig uns über die Quellen zu orientieren aus denen sie geschöpft, sich nach ihren Zeitgenossen und Vorgängern umzusehen, ihre innere Einstellung zu diesen Dingen uns vor Augen zu führen und auch die äusseren Gegebenheiten in Betracht zu ziehen.  

Die Zeit von 500- 1000 n. Chr. bezeichnet man gerne als die der Mönchsmedizin, obgleich sich nicht ausschließlich Kleriker damals mit medizinischen Dingen beschäftigt haben. Aber es bleibt wohl ein in keiner Weise zu schmälerndes Verdienst der Söhne des hl. Benedikt gerade in den sturmbewegten Zeiten der Völkerwanderung und des untergehenden römischen Reiches in ihren Klöstern den geistigen Schätzen der Antike ein sicheres Asyl geboten zu haben. Und sie bleiben noch lange Horte des Wissens. In Deutschland erwarben sich besonders hohen Ruf die Klöster auf der Insel Reichenau, in Fulda, St. Gallen und das Frauenkloster über Bingen am Rhein. Vielerorts vollzog sich eine deutliche Anschmiegung der Medizin an klösterliches Leben. Es entstanden die Infirmarien, klösterliche Revierstuben unter Leitung eines medizinbewanderten Fraters Infirmarius. Ursprüngliche dienten sie wohl nur der Aufnahme erkrankter Klosterinsassen. Später nahm man auch Pilger und Außenstehende auf. Man kann diese Krankenstuben wenigstens für den Norden als die ersten Vertreter unserer heutigen Krankenanstalten ansprechen. Mag die Behandlung der Kranken wohl weitgehend konservativer Art gewesen sein, so hat sie durch ihre engen naturgebundenen Heilmethoden doch befruchtet auf die Medizin gewirkt.

Manche Pflanze hat eben damals in ihrer Wirkung die eines modernen Chemotherapeutikums ersetzen müssen. In Hrabanus von Fulda (748-586) lernen wir einen der ersten Hauptverstreter der von den Benediktinern gepflegten Naturwissenschaften kennen. In seinem großen Werk „De universo“ oder wie es in den Handschriften heißt „De rerum naturis“, tritt allerdings mehr eine allegorische Interpretation, die überall Beziehungen zu Bibelstellen sucht, in den Vordergrund.

Dessen Schüler Walfridus Strabo (809-849) besang etwas später als Mönch von Reichenau in 444 Hexametern in „Hortulus“ die Heilwirkungen der Kräuter seines Klostergartens und schuf damit das erste medizinische Lehrgedicht auf deutschem Boden, jedoch ist Walfridus´ “Hortulus“ auch von der naturwissenschaftlichen Seite her immer mit vollem Lob bedacht worden.

 In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstand in Frankreich eine botanische Dichtung, die unter dem Namen „Macer Floridus“ in der Literatur bekannt geworden ist. Sie führt den Titel „De Viribus herbarum“ und umfasste 2296 Hexameter. Der unbekannt gebliebene Verfasser behandelt darin unter Anlehnung an Dioskurides und Plinius die officinellen Pflanzen und Spezereien seiner Zeit, jedoch bei weitem nicht so anschaulich wie Walafrid. Außerdem ist möglich, daß auch er von der Schule von Salerno Hildegard von Bingen´s Ideen und Anregungen empfangen hat. Jedoch ging die Schule nach Pischer nicht von Monte Cassino aus, der älteren Pflanzenstätte benediktinischer Wissenschaft in Italien, sondern war ein auf heimatlichen Boden selbstständig erwachsenes Institut von rein weltlichem Charakter. Besonderen Glanz allerdings erhielt die Schule durch den aus Karthago stammenden Constantinus Africanus. In Monte Cassino erstellte er in unermüdlichem Fleiß eine beachtliche Zahl von Übersetzungen medizinischer Texte aus dem Arabischen, die ihm schließlich den ehrenden Beinamen „magister occidentis“ eintrugen. Vor allem von May sind Beziehungen von Hildegard von Bingen zu Constantinus Africanus vermutet, jedoch nicht bewiesen worden. Bei Constantinus ist die Kräuterkunde auf die „Liber de gradibus“ beschränkt, das jedoch nur eine Übersetzung aus dem Arabischen, einem Werk des Issac darstellt.  

Hildegard von Bingen geht in ihrer Heilkunde nicht auf die Lehre von den Graden ein, indem sie Pflanzen ersten, zweiten, und dritten Wärmegrades unterscheidet, sondern nennt sie nur warm und kalt. Dagegen weist die Art der Behandlung auf die Lehre von den Komplexionen hin, die mit der Hildegard´s Ähnlichkeit besitzt. Jedoch mag diese Ähnlichkeit auf die festgelegte  Behandlung der Komplexionen-Lehre in den Klöstern des frühen und hohen Mittelalters zurückzuführen sein.

Naturgemäß finden sich inhaltlich auch viele Stellen bei Hildegard von Bingen, besonders die Anwendungen von Heilmitteln, die durch Schriftstellen antiker Mediziner belegt werden können. So finden sich bei ihr ganz klare Hinweise auf die galenische  Lehre, die entsprechend den 4 Elementen des Empedokles, Feuer, Wasser, Luft und Erde 4 Kardinalsäfte als Träger des Lebens kennt, nämlich Blut (sanguis), Schleim (phlegma), schwarze Galle (melancholie) und gelbe Galle. Die Gesundheit beruht auf dem Gleichmaß der 4 Säfte, der Qualität und der richtigen Mischung (Eukrasie). Die Krankheitslehre definiert das Wesen der Krankheit in einer fehlerhaften Säftemischung (Dyakrasie), die durch Fehler in der Lebensweise, durch Luft, Wind, Wasser, Gestirne, ungesunde Ausdünstungen, klimatische Einflüsse, durch die verschiedenen Jahreszeiten (die besonders epidemische Krankheiten hervorrufen), Gifte, Zurückhaltung von Ausscheidungen und Ähnlichen hervorgerufen werden können.

Inwieweit die „Materia medica“ des römischen Militärarztes Dioskurides Spuren in Hildegards Schriften hinterlassen hat, ist nicht mit Sicherheit erwiesen, denn das geschlossene therapeutische System Galens beherrschte auch schon zu dieser Zeit das medizinische Denken. Galen versuchte zum ersten ihre Wirkung festzustellen. Um eine Arznei richtig anwenden und eine Gesetzmäßigkeit zwischen Substanz einer Droge erkennen zu können muss man ihre vorherrschende Qualität kennen. (Qualitätenlehre).

Man erkennt die Wirkung des betreffenden Stoffes auf empirisch-experimentellen Weg. So ist z.B. das Meerwasser an sich feucht, nach der Vorstellung über die Wirkung aber trocken, weil es auf den Menschen trocknend wirkt. Galen unterscheidet zwei Arten der Grundqualität: Feuer ist warm, gleichsam aus eigener Natur, Pfeffer dagegen durch das Überwiegen dieser Qualität. Da Galen mit diesen einfachen Begriffen der Grundqualität nicht auskam, schuf er nach den Geschmackseigenschaften der Arzneimittel wie süß, sauer, bitter, salzig den Begriff der zweiten Qualität und nach der spezifischen Wirkung mancher Heilmittel den der dritten. Weiter teilte er die Arzneimittel je nach der Intensität ihrer Wirkung in 4 Grade ein und zwar in Stoffe die unmerklich, offenkundig, heftig und solche die vollständig wirken. Durch ihn angeregt machte sich die Neigung geltend zu langen und vielfach zusammengesetzten Rezepten. Allmählich gab es kaum eine Pflanze und kaum einen tierischen Bestandteil der nicht als Heilmittel Verwendung gefunden hätte. Damit ist aber nun nicht gesagt, dass Hildegard von Bingen einfach bei den antiken Medizinern abgeschrieben hätte. Im Gegenteil, die Heilkunde, die sie lehrt, ist erfüllt mit benediktinischer Tradition und was ist naheliegender, als dass sie auf diesem Wege mit den Werken der Antike bekannt geworden ist.

 Hildegard von Bingen hat aber auch der volkstümlichen Heilkunde ungemein vieles entnommen. Denn unbeeinflusst von der römischen und griechischen Medizin findet sich bei den Germanen ein bestimmtes Heilwesen, das sich in unmittelbarem Zusammenleben mit der Natur entwickelte. Die Krankheit stand vielfach in unlöslichem Zusammenhang mit den Gestirnen. Über den Brauch gewisse Heilpflanzen bei zunehmendem Mond zu schneiden, gewisse Krankheiten dagegen nur bei abnehmendem Mond zu behandeln, finden sich auch bei Hilgegard von Bingen. Angaben. Ferner gehen die abergläubischen Verwendungen von Pflanzen, vor allem von Bäumen, sicher auf die germanische Vorzeit zurück. Zum Vergleich herangezogene, frühmittelalterliche Rezeptarien bestätigen dies, denn was dort teils in lateinischer, teils in deutscher Sprache niedergeschrieben ist, ist sicher alte Volksmedizin.

Die Pharmakologie der von Hildegard von Bingen verwendeten Pflanzen

(in folgenden abgekürzt „Ph.“ , „H. “ abgekürzt für Hildegard von Bingen [Anmerkung])

Der wirksame Bestandteil folgender von Hildegard verwendeter Pflanzen sind:

aetherische Öle.Tanne, Knoblauch, Galant, Dill, Gartenkerbel, Sellerie, Arnika, Beifuß, Wermut,Eberraute, Kampferbaum, Mutterkraut, Meerrettich, Myrrhenbalsambaum, röm.Kümmel, Zitwer, Diptam, Gewürznelke, Fenchel, Benediktenkraut, Gundelrebe, Ysop, Meisterwurz, Wacholder, Stinkwacholder, Lorbeer, Lavendel, Pfefferkraut, Liebstöckel, Mentha-Arten, Gagelstrauch, Muskatnuß, Katzenminze, gemeiner Dost, Basilienkraut, Petersilie, Anis, Bibernell, schwarzer Pfeffer, langer Pfeffer, Rettich, Raute, Salbei, Attich, Hollunder, Storax, Rainfarn, Frauenminze, Gamander, Thymian, Quendel, Badrian, Ingwer, Zeder.

Chemisch handelt es sich bei sehr vielen aetherischen Ölen um Terpene. Eine andere Zusammensetzung besitzen die Öle der Zwiebelgewächse und des Senfkorns, sowie die große Reihe der Fruchtäther.

Alle aetherischen öle besitzen lokale Reizwirkungen, sehr viele wirken schwach antiseptisch, manche auch spasmolytisch. Renorbeirt werden sie durch die Haut, den Magendarmkanal und die Lunge; ausgeschieden durch Haut, Lunge, Niere.

Die therapeutische Verwendung der aetherischen Öle ist eine sehr vielseitige. Ausgenützt wird in der Hauptsache die Reizwirkung, in manchen Fällen auch die antiseptische Wirkung.

 In Ph. empfiehlt H. Rinde und Blätter der Tanne gegen Kopfleiden, Schizophrenie, Magen-und Milzleiden. Die Holzasche findet in einem Lautertrank gegen Brust- u. Lungenleiden, der Samen gegen Krebs, Mund- u. Lippenschwellung Verwendung. Vielleicht dachte man dabei an die desodorierende Wirkung. Aus dem Balsam der verschiedenen Pinus-Arten wird heute durch Destillation das Terpentilöl gewonnen. Es kommt durch dir Inhalation, oder bei der Ausscheidung resorbierten Öles mit der Lungenoberfläche in Berührung und kann hier seine desinfizierende und desodorierende Wirkung entfalten. Bekannt ist auch die roborierende Wirkung von Fichtennadelnbädern. 

Den Knoblauch erwähnt H. in dem Kapitel „Von der Gelbsucht“. Nach Kretschmar (1935) verursacht Knoblauch eine Anregung der Gallenblasensekretion und wird heute noch gegen Gelbsucht angewendet. Die pharmakologischen Eigenschaften des Knoblauchs sind an seinen Senfölgehalt gebunden das ja bekanntlich eine sehr stark hyperämisierende Wirkung hat. In der Medizin benützt man Knoblauch als Antiseptikum des Darms. Nach Untersuchungen von Lehmann (1930), Delvaille (1929), Roos (1925) zeigt Knoblauch einen deutlich antibakteriellen bzw. umstimmenden Einfluß auf die bei Enteritiden grampositive Darmflora (normal gramnegative Flora).

 In Cc. kennzeichnen den Anwendungsbereich des Galgant folgende Indikatoren. „Gebrechen der Lunge“, „Von der Sinnlosigkeit“, „Vom Herzweh“, „Vom Magenschmerz“, „Von der Reinigung von Speichel und Schleim“, „Gleichfalls für das dreitägige Fieber“. Die wirksamen Substanzen der Pflanze stellen aetherische Öle dar, darunter auch Eugenol. Es findet Anwendung in Form von Tinkturen, als Stomachikum, Oarminativum und Aromatikum. Es ist auch in den Speciers aromatiose enthalten. 

In Cc. werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten des Dill gegeben. „Vom Lungenschmerz“, „Vom Blutfluß“, „Vom Schnupfen“ und „Gegen die Üppigkeit“. Dill schließt sich aufs Engste an den Anis, Fenchel und Kümmel hinsichtlich seiner Wirkung an. Die Indikatoren sind im Großen dieselben, wobei Nierenerkrankungen eine Gegenindikation bilden sollen.

Gartenkerbel wird in Cc. als Kompositum gegen Milzschmerz und gegen allerlei Geschwüre, sowie gegen Krätze empfohlen. Bestandteile: Aetherisches Öl, das Glukosid Apilin. Bei uns wird die Pflanze fast ausschließlich als Küchengewürz kultiviert.

 In Ph. findet Sellerie Verwendung bei Augentrübung und Augentränen. In Cc. wird er erwähnt in der Abhandlung „Vom Riss der Bauchfelle,“ „Vom zu starken Monatsfluß“ und „Von der Epelepsie“. Bestandteile: Aetherisches Öl vom Geruch der Selleriepflanze, ausserdem Apilin.Heute findet er hauptsächlich in der Volksheilkunde als Gemüse zubereitet Anwendung bei Magenschwäche, Gicht, Rheuma-u. Blasenleiden.

 Arnika kennt H. nur als Mittel für Liebeszauber. Rein chemisch gesehen enthält die Pflanze0,04–0,07 % aetherisches Öl, Bitterstoff, (Arnicin), Arnidiol ein Phytosterin, ferner Harze, Gerbstoff und einen gelben Farbstoff. In der Volksheilkunde galt sie früher als ein des Gafäß-und Nervensystem anregendes Mittel. Auch als Hautreizmittel und Abortivum fand es Verwendung. Heute wird nur mehr die Tinktur als Wundheilmittel benützt. Nach Untersuchungen von Unna Nußert Arnika dabei einen günstigen Einfluß auf Blutextravasate.

Beifuß erwähnt H. in Cc. in dem Abschnitt „Vom Geschwür“. „Fließen aber dem menschlichen Leib irgendwie aus der aufgebrochenen Haut ohne Anwesenheit eines bösartigen Geschwürs Tropfen und schlechte Säfte vereint aus, so muß dieser Mensch Beifuß nehmen…“. Wermut und Eberraute finden gemeinsam Anwendung bei Zahnschmerz, nierenleiden(Cc.), Magenschmerz (Cc.) und bei Unenthaltsamkeit (Cc.), meist als Komposita.

Heute wird die Droge in Form von Aufgüssen, Auszügen mit Wein, in Mischung mit anderen Bittermitteln als appetitanregendes Mittel verwendet. In der Volksmedizin dient die Droge auch als Anthelminthicum, Emmenagogun und Abortivum.In der Abhandlung „Vom täglichen Fieber“ in Cc. verwendet H. Kampfer zusammen mit Majoran und Tormentille zur Zubereitung eines Pulvers. Kampfer ist das Destillationsprodukt aus dem Holz des Kampferbaumes. Der Kampfer hat innerlich genommen eine erregende Wirkung mit schweißtreibender und auswurffördernder Nebenwirkung. Man gibt ihn bei schweren fieberhaften Prozessen in Form eines Depota zu Regularisierung der Herztätigkeit und bei drohendem Kräftevorfall.

Mutterkraut wird bei H. zusammen mit Erythrea centaurin als „febrifugi“ genannt. Es findet in Ph. gegen Leibschmerzen und in Cc. bei Kolik und Menstruationsbeschwerden Verwendung.

Bestandteile: Aetherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoff.

Anwendung: Als Volksmittel gegen Frauenkrankheiten im Gebrauch. Die Blüten wurden als Ersatz und als Verfälschung der römischen Kamillen, ebenso in Pulverform als Insektenpulver oder Beimengungen zu Insektenpulver verwendet.

Meerettich wirkt in Ph. zur Behebung von „Brustschmerz“ und „dreitägigem Fieber“. Die Rinde dient auch gegen Herzleiden. Der Meerettich ist Träger eines scharfen, flüchtigen, schwefelhaltigen Öles, des Butylenmenföles, sowie des Glykosides Sinigrin(Hager). Ersteres hat vor allem hyperämisierende Wirkung. Nach Leclerc leistet der Meerettich auch gute Dienste bei Lungen-Tbc. und Skrofulose sowie bei chronischer Bronchitis und Skorbut.

H. verwendet Myrrhe in Cc. bei „halbseitigem Kopfschmerz“ zusammen mit Aloe als Kataplasma und bei „Würmern in den Zähnen“ zu gleichen teilen mit Aloe als Räuchermittel. Ausserdem noch „Gegen den Wurm“ als Kompostitum.

O.v. Friedrichs fand als hauptsächliche Bestandteile der Myrrhe aetherisches Öl, Harze, Gummi und Ehzyme. Innerlich wird Myrrhe heute selten mehr verwendet. Häufig äußerlich bei Entzündungen der Mandel, Bronchialkatarrhen und Zahnfleischentzündungen.

Röm. Kümmel dient in Cc. als Komposition gegen Herzweh, Erbrechen, Ruhr und Epilepsie. Nach Eckstein und Flamm ist die Wirkung des Kümmels weitgehend gleich der des Anis und des Fenchels. Er ist ein blähungtreibendes und magenstärkendes Mittel, das auch zur Anregung der Wehen und der Milchsekretion dienen kann.

In Cc. erwähnt H. Diptam meist als Kompositum zur Bekämpfung folgender Beschwerden:„Von der Verhaltung des Monatsflusses“, „Von der Unenthaltsamkeit“, „Von der Lähmung“. In Ph. ausserdem noch gegen Steinleiden. Die Wurzel enthält aetherisches Öl und Harze. Die Pflanze ist nur mehr als Volksheilmittel im Gebrauch gegen Steinkrankheiten und zur Förderung der Periode.

Gewürznelken finden sich in Ph. gegen Schwindelgefühl, beginnende Wasseraucht, Fodagra und in Cc. gegen Menstruationsbeschwerden im Gebrauch. Die Samen enthalten im Durchschnitt 16-20% Eugenol, das eine weitgehende antiseptische und sedative Wirkung besitzt, von der man hauptsächlich in der Zahnheilkunde Gebrauch macht. Ihre Verwendung als Küchengewürz läßt sich auf die appetitanregende Wirkung zurückführen.

Mannigfaltig sind die in Cc. geschilderten Verwendungsmöglichkeiten des Fenchel. So zur Zubereitung eines Lautertrankes bei „Herzweh“, bei „Gebrechen de Lunge“, bei „Schwellung des Hodensacks“, bei „grauen, trüben und feurigen Augen“, bei „Schlaflosigkeit“, bei „Schnupfen“, bei „schwerer Geburt“, bei „Trunkenheit“, bei „Kolik“, „bei Kopfschmerz durch Verqualmung des Magens“, bei „Sinnlosigkeit“, und bei Bronchitis.

In allen angeführten Fällen findet entweder der Samen, der Saft oder die Pflanze selbst Verwendung.Innerlich wird der Fenchel auch jetzt noch häufig in Substanz oder als Zusatzmittel zu Teemischungen und anderen Zubereitungen, als hustenstillendes, beruhigendes Mittel benützt. Mitunter ist er auch Bestandteil von Pulvis Liquiritiae compositus. Äußerlich findet die Droge besonders zu Augenwässern Verwendung. Technisch zur Gewinnung des Fenchelöles, zur Likörfabriketion und als Gewürz.

 In Ph. stellt die aus Benediktenkraut hergestellte Droge ein Aphrodisiakum, Nervinum und Roborans dar. Der frisch zerriebene Wurzelstock war früher als Radix Caryophyllatae vulgaris offizinell. Dem in ihm enthaltenen Hautwirkstoff Eugenol kommt eine ausgesprochen schmerzlindernde Wirkung zu. Außerdem wirkt es stark antiseptisch.

In Ph. dient die Gundelrebe als Mittel gegen Kopfweh und Brustleiden. Bestandteile: Neben dem aetherischen Öl, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Die Droge wird als Volksheilmittel bei Lungenleiden, Astma usw. angewendet, auch als Fiebermittel in der Tierheilkunde(Kühltrank).

 Ysop kommt zur Anwendung in Cc. gegen Hydrops und eine Geschlechtskrankheit.Bestandteile: Die Droge enthält etwa 1% aetherisches Öl, und Gerbstoff. Nach Kroeber hat unsere Pflanze mit dem biblischen Ysop ebenso wenig zu tun, wie mit dem v. Theophrast, den Hippokratikern, Dioskorides, Flinius u.a. „Ysop“ genannten Pflanzen, da unser Ysop in der Flora von Kleinasien und Griechenland fehlt. Für Deutschland finden sich die ersten Abgaben in der Physika Hildegard´s von Bingen, Konrad v. Megenberg sowie bei Albertus Magnus.In der Volksheilkunde, die sich in ihren Angaben auf mittelalterliche Quellen stützt gilt der Ysopsaft als adstringierend, schleimverflüssigend, und als Stomachioum.

Die Meisterwurz erscheint in Ph. als Mittel gegen Fieber und Magenschwäche.Die Meisterwurz war das „remedium divinum Hoffmanni“ und diente im Volk als Zaubermittel. Sie enthält ein dem Angelikaöl ähnliches aetherisches Öl von aromatisch beißendem Geschmack. Die Wurzel wird als Mittel gegen hartnäckiges Fieber und bei Katarrhen gebraucht.

Wacholder wird in Cc. in der Abhandlung „Vom Lungenschmerz“ verwendet. Als wirksames Agens dürfte das in den Früchten in großen Mengen vorhandene aetherische Öl zu betrachten sein, das durch Säuren und saure Salze unterstützt weitgehend diuretisch, carminativ und diaphoretisch wirkt. Er ist daher bis heute ein wesentlicher Bestandteil der offizinellen Species diureticae geblieben. Außerdem ist Olsum Juniperi heute noch in zahlreichen Staaten bei Erkrankungen der Luftwege offizinell. Stinkwacholder wird von H. gegen Lungenleiden und Würmer empfohlen.

Bestandteile: Aetherisches Öl 3-5%, Pinipikrin, Gerbstoff. Anwendung: Äußerlich bei Kondylomen als Ätzmittel, bei Geschwüren als Reizmittel. Mißbräuchlich als gefährliches Abortivum.

Verschiedene Bestandteile des Lorbeer werden als Komposita gebraucht und zwar die Blätter gegen Nierenschwellung (Ph.), Blätter und Rinde als Purgantien, ferner in Ph. gegen Kopf-, Brust-, Seiten-und Rückenschmerzen, die Früchte gegen Lungenödem und Herzklopfen (Ph.), in Cc. gegen Inkontinenz („Von der Unenthaltsamkeit“) und bei „Besinnungslosigkeit“.

Das Lorbeeröl dient gegen Fieber, Gicht, Magenverstimmung und Augentrübung (Ph.). Äußerlich dienen die Lorbeerextrakte gegen Kopfweh (Ph.) spezial Migräne.

Die Pflanze ist reich an aetherischem Öl, Laurin, an Wachsen, Zucker, Stärke sowie dem Myriacylalkohol Lauran. Verwendung finden Folia und Fructus Lauri als denen Oleum Lauri gewonnen wird, das früher bei Magenverstimmungen, Fieber, Kolik und zur Wehenanregung gegeben wurde.

 Hildegard von Bingen schreibt in Ph. „Vom Lavendel“: „Sind an einem Menschen viel Läuse und riecht er oft an Lavendel, so werden sie an ihm sterben. Auch macht sein Geruch die Augen klar“. Außerdem noch verwendet von H. gegen Brust-, Lungen-u. Leibschmerzen als Kompositum. Medizinisch findet Lavendel heute äußerlich zu Bädern, Kataplasmen, zur Herstellung aromatischer Wässer und Species Verwendung. Die Indikationsbreite ist infolge ihrer stark keimtötenden und hyperämisierenden Wirkung sehr groß und lässt vor allem Oleum L. brauchbar erscheinen bei Gärung, Dyspepsie und infektiösen Prozessen des Verdauungstraktes.

 Pfefferkraut findet Erwähnung in Ph. in dem Kapitel „Vom Pfefferkraut.““…für Gesunde und Kranke ist es gut und nützlich zu essen. … und wer einen traurigen Sinn hat und ißt Pfefferkraut, den macht es froh. Es heilt und klärt auch die Augen.“ Nach alter, neuerdings bestätigter Angabe, soll sich aus letzterem ein schwefelhaltiges, aetherisches Öl  darstellen lassen.

 H. empfiehlt Liebstöckel in Cc. als Kompositum bei „Lungenschmerz“, „Verhaltung des Monatsflusses“ bei Wassersucht und „hustet jemand auf der Brust, sodaß er ihn ihr zuerst Schmerz empfindet, so nehme er Salbei und Liebstöckel.“

Die Droge ist nur noch selten in Gebrauch und gilt als Diureticum, Stomachikum und Menstruationsmittel. Das wirksame Agens ist das in der Wurzel enthaltene aetherische Öl.

 Die Bachminze empfiehlt H. in Ph. gegen Gelbsucht, in Cc. „Gegen die Üppigkeit“ bei zu starker libido und bei Fieber als Kompositum,

romisch metha als Abführmittel, gegen „Rauhe Zunge“ und Afterkondylome.

rosseminza soll gegen Gicht wirksam sein.

poleya ist ein Allheilmittel gegen Magenleiden, Melancholie, Augentrübung und Hysterie.

Die pharmakologischen Eigenschaften der Mentha-Arten beruhen im wesentlichen auf ihrem Gehalt an aetherischem Öl, bzw. dessen Bestandteilen. Die Indikationen sind heute mit einigen Ausnahmen noch fast die gleichen wie bei H.

 H. empfiehlt den Gagelstrauch gegen Skrophulose und erwähnt seine Brauchbarkeit zur Bierbereitung.

Die aromatischen Blätter waren früher als Herba Myrti brabantini in arzneilichem Gebrauch.

 In Cc. erwähnt H. öfters den Gebrauch der Muskatnuß, so in den Kapiteln „Vom unmäßigen Lachen“, „Von der Sinnlosigkeit“ und  „Was jetzt folgt, betrifft das Gebrechen der Lunge“.

Die Frucht enthält ein fettes und ein aetherisches Öl im Samenfett (Muskatbutter). Myristizin im aetherischen Öl des Samenmantels (Mazisöl, d-Pinen und und d-Kamphen neben Eugenol. Die Muskatblüte und Muskatnuß sind heute sehr geschätzte Küchengewürze. Man darf sie jedoch nur in mäßigen Gaben verwenden, da sie sonst gefährliche Reizzustände des Magens sowie des ZNS hervorrufen.

 Katzenminze kennt Ph. nur gegen Skropheln. Die Blätter enthalten ein aetherisches Öl, das an Melisse erinnert.

 Dost dient in Cc. gegen „tägliches Fieber“ und Kopfweh. In Ph. gegen „Lepra“.

Bestandteile: Aetherisches Öl bis zu 1 %, ferner Bitterstoffe und Gerbstoff. Die Pflanze wird nur noch in der Volksmedizin als Magenmittel, Wundmittel, als Zusatz zu Bädern und als Gewürz verwendet.

 

In Ph. dient Basilienkraut als Mittel gegen Fieber und Paralyse. In Cc. auch als Läusemittel.

In Cc. schreibt H. „Von der Gicht“: „Ein Mensch der weiches Fleisch hat und infolge von Unmäßigkeit im Trinken an einem seiner Glieder von der Gicht geplagt wird, soll Petersilie nehmen…“, „Von der Epilepsie“: „…Brot und Fleisch kann er inzwischen essen, aber nur mit Sellerie oder Petersilie gekocht…“. Ausserdem soll Petersilie genossen werden „bei schwachem, sich aufblähenden Magen“ (Ph.), sowie bei Blasen-u. Nierensteinen (Ph.).

Nach Eckstein und Plamm beruht die Hauptwirkung der Petersilie auf ihrem Gehalt an aetherischen Ölen, dem Apiol, und Terpenen. Sie äußert sich neben einer leichten Förderung der Verdauungsvorgänge in einer leichten Steigerung der Periode und einer kräftigen Anregung der Nierentätigkeit.

 Anis erscheint in Cc. als Kompositum bei „Verhaltung des Monatsflusses“, gegen Phlegma, Scropheln und Freischen. Verbranntes Aniskraut soll gut sein gegen Geschlechtskrankheiten.

Mit Fenchel und Kümmel gehört der Anis in eine Gruppe von Heilkräutern, deren aethersiche Öle ihre Hauptwirkung auf den Verdauungsapparat entfalten und bei ihrem Durchtritt durch die Luftwege antikatarrhalische Wirkung besitzen. Er findet deshalb hauptsächlich Anwendung bei Koliken und Blähungen als Carminativum, als Expectorans, im Volk als Lactagogum, Geschmackskorrigens und Gewürz.

 

Bibernell wird in Cc. „Gegen das Erbrechen“ und „Von der Verdauungsstörung“ genannt. Ausserdem noch gegen Herzbeschwerden und Podagra.

Die heutige Anwendung erfolgt in form einer Tinktur bei Heiserkeit, Rachen-u. Mandelentzündung als Gurgelwasser. H. Leclerc erachtet die Bibernellentinktur als gutes Antidiarrhoicum und Carminativum.

Hildegard von Bingen schreibt in Ph. „Vom Pfeffer“, „wird er in großen Mengen genossen, so schädigt er den Menschen, hat Seitenstechen zur Folge und ruft schlechte Säfte hervor“. Er wird auch als appetitanregend empfohlen. In Cc. empfiehlt H. den Pfeffer sowie seine geschälten Früchte (weißer Pfeffer) in den Kapiteln „Vom Magenschmerz“, „Von der Unfruchtbarkeit des Mannes“, „Vom Podagra“, „Von der Verhaltung des Monatsflusses“ und „Von der Kolik“.

Der Geruch des Pfeffers wird durch ein darin enthaltenes Öl veranlasst, den scharfen Geschmack bedingt das Piperin, das Piperdid der Piperinsäure. Schwarzer Pfeffer ist eines der wichtigsten Gewürze. Pharmazeutisch wird er nur noch selten gebraucht.

Langen Pfeffer mit Ingwer und Basilienkraut zusammen empfiehlt H. in Cc, als Läusepulver.

In Bestanteilen und Wirkung analog mit Piper nigrum L.

 In Ph. schildert H. die Eigenschaften des Rettich unter anderem:

„…er reinigt das Gehirn und mindert die schlechten Säfte der Eingeweide…

…einem Kranken und Trockenen schadet er…

…wer ihn ißt nehme hernach „Gelgan“ wodurch der übelriechende Atem beseitigt wird und der Mensch keinen Schaden erleidet.“ Der Rettich gehört wie seine Verwandten zu den Senfölhaltigen Pflanzen. Eckstein und Plamm setzen sich für die Verwendung des Rettich bei katarrhalischen Zuständen des Verdauungsapparates, als geeignetes Mittel zur Behandlung des Keuchhustens und chronischen Katarrhen des Respirationstraktius ein. Die zweifellos bestehende cholagoge Wirkung des Rettich wurde schon von Hugo Schulz betont.

 Hildegard von Bingen schreibt in Cc. „Von den schwarzen Augen“.

„…wer schwarze oder verdunkelte Augen hat und mit ihnen schlecht sehen kann…nehme Rautensaft“. Sie findet ebenfalls Erwähnung in den Kapiteln „Vom Nierenschmerz“, „Vom Leibschmerz“, „Von der Verhaltung des Monatsflusses“, „Von der Unenthaltsamkeit“, „Von der Gicht“.

Bestandteile:  Die Blätter und Blüten enthalten aetherisches Öl. Weitere Bestandteile sind das Rutin, harz, Apfelsäure.

Anwendung: Von den Ärzten nicht verwendet, dagegen häufig in der Volksmedizin gegen Dysmenorrhoe als Emenagogum, Anthelminticum, missbräuchlich auch als Abortivum.

Nach H. Schulz dürfte bei seiner Verwendung gewisse Vorsicht am Platze sein, da eine Reihe höchst unerwünschter Begleiterscheinungen beobachtet wurden. U.a. acuh ein Idiosynchrasie beim Einsammeln der Pflanzen. 

Salbei kommt hauptsächlich in Cc. als Kompositum zur Anwendung und zwar bei  Kopfschmerz „durch Verqualmung des Magens“, bei „Kopfweh durch Schwarzgalle“ bei Leibschmerz, Harnträufeln, Schlaflosigkeit, Blutspeien, sowie gegen Kolik und „Maßlosen Zorn“.

Die Salbeiblätter enthalten etwa 1% aetherisches Öl, das hauptsächlich aus Salven, Pinen, Cineol, Borneol und Kampfer besteht. Seit Jahrhunderten bekannt ist die Anwendung des Salbei als Gurgelmittel, bei Angina, Stomatitis, Zahnfleischblutungen, Rachen-u. Kehlkopfkatarrh sowie innerlich als Tee bei starken Schweißausbrüchen besonders der Phtisiker.

 Den Saft des Attich verwendet H. gegen eine Geisteskrankheit, die Beeren gegen Grint der Nägel.

Der Attich enthält wie der ihm nahe verwandte schwarze Hollunder 0,1% aetherisches Öl, ebensoviel blausäurehaltiges Clykosid, einen Bitterstoff und Emulsin.

Die Wurzeln liefern nach Wasicky ein Saponin. In den Früchten sind ein aetherisches Öl und organische Säuren nachweisbar. Vom Attich werden hauptsächlich Wurzeln und Rinde als Teeaufguß verwendet.

 

Bei Hildegard von Bingen sollen die Blüten des Hollunders einem Bade zugesetzt gegen Gelbsucht wirksam sein. Die Rinde empfiehlt sie als Abführmittel. Die pharmakologischen Wirkstoffe sind in der Hauptsache aetherisches Öl, ein Glykosid Sambunigrin, Gerb-u. Bitterstoffe.

 

Die Verwendung von Hollunderblüten als Diaphoreticum sind in der Volks-u. wie wissenschaftlichen Medizin in gleicher Weise gebräuchlich. Dem aetherischen Öl ist die anregende Wirkung auf die Schweißsekretion zuzuschreiben. Die Rinde enthält u.a. ein intensiv auf Darm und Niere wirkendes Harz. Die Früchte enthalten reichlich Vitamine und fruchtsauer Wirkstoffe, die die Darmsekretion anregen.

 

Storax wir din Ph. gegen Leberleiden, in Cc. zur „Reinigung von Speichel und Schleim“ empfohlen.

Der Storax wird heute in Form des Harzes als Expectorans wegen seines Wohlgeruches, als Räuchermittel, in der Kosmetik als Zusatz zu Waschpulvern oder in Form der Tinktur zu Wasch- und Mundwässern verarbeitet.

 

Rainfarn. Die Pflanze empfiehlt H. gegen „nasenboz“ d.h. Schnupfen, Husten, Magenbeschwerden und Harnzwang (Ph.) sowie Menstruationsbeschwerden und Kolik (Cc.).

Die Pflanze besitzt an wirksamen Bestandteilen ein aetherisches Öl (darin sind enthalten Thujon, l.Kampfer, Borneol) sowie Gerbstoffe.

In der Volksmedizin als Anthelminticum, aber auch als Abortivum in Gebrauch, ferner als Garminativum, Diureticum, Hypnoticum.

 

H. empfiehlt die Anwendung der Frauenminze gegen „Sinnlosigkeit“, gegen „Das dreitägige Fieber“ und ausserdem gegen Gift, Lepra und Läuse.

Die pharmakologische Bedeutung der Pflanze war vollständig in Vergessenheit geraten. 1934 ist H. Stirnadel aufs Neue nach eigenen, günstigen Erfahrungen für die Verwendung der Droge bei Gallensteinen eingetreten.

 Bei H. stellt Gamander das spezifische Mittel gegen „kleine Krätze“ dar.

Als Bestandteile werden aetherisches öl, Bitter-u. Gerbstoffe angegeben. Die Droge wurde früher gegen Gicht, Wechselfieber und als Expectorans angewendet. Heute wird sie auch als Volksmittel nur noch wenig verwendet.

 H. empfiehlt Thymian gegen Geschwüre, Lupra, Schlagfluß und Läuse. Der Thymian enthält an wirksamen Bestandteilen etwa 1,7% aetherisches Öl  mit etwa 50% Thymol. In pharmak. Hinsicht steht die Wirkung des Thymols im Vordergrund. Es wirkt stark fäulnis-u. gärungswidrig, antipyretisch, analgetisch und besitzt desodorierende Eigenschaften. Hieraus ergibt sich seine klinische Anwendung bei infektiösen Prozessen der Darms, der Lunge, des Nierenbeckens und der Blase. Heinrich Schulz empfiehlt frühzeitigen und fortgesetzten Gebrauch von Thymian bei Keuchhustenepidemien, zur Milderung und Verringerung der Hustenanfälle, sowie bei eitrigen Bronchitiden.

 Quendel verwendet H. gegen Scabies und Gehirnleiden in Ph. Von der wissenschaftlichen Medizin gelangen heute starke Konzentrationen bei Gicht, Rheuma und Ischias zur Anwendung. Quendel ist auch in den Species aromaticae enthalten.

In der Volksmedizin hauptsächlich zu Kräuterbädern und als Ersatz für Thymian in Anwendung.

 Baldrian erscheint bei Ph. gegen Seitenstechen und Gicht. Die wissenschaftliche Medizin verwendet den Baldrian als Nervinum, sedativen Charakters. Dabei ist es jedoch nicht entschieden, wie viel von den unbestreitbaren Erfolgen auf Rechnung der durch Geruch und Geschmack der Droge unterstützenden Autosuggestion und wieviel auf jene ihrer chemischen Inhaltsstoffe zu setzen ist.

 

Hildegard von Bingen verwendet Ingwer in Cc. mit anderen Kräutern in Pulverform bei folgenden Erkrankungen: „Von der Verdauungsstörung“, „Von der Kolik“, „Wie man Abführtränke gebrauchen soll“, „Gleichfalls für das dreitägige Fieber“, „Vom Podagra“, „Von den Läusen“. Die für die therapeutische Wirkung wichtigsten Bestandteile dürften das aetherische Öl und die davon verschiedenen, den scharfen Geschmack bedingende Substanz sein. Die scharfe Substanz soll nach Tresh das von ihm dargestellte Gingerol sein. Seine hauptsächlichste Verwendung findet Ingwer heute noch als appetitanregendes Mittel und Carminativum, außerdem als Aromaticum und Corrigens.

 Hildegard von Bingen verwendet in Ph. Zweige und Holz der Zeder in frischem Zustand gegen Milzleiden und als Purgans. Die Früchte gegen Gicht. In der Wolfenbüttler Handschrift die Rinde und Blätter gegen Lepra.

Der heute durch Destillation von Stann- und Astholz des Juniperus oxycedrus L. gewonnene Teer enthält einen hohen Prozentsatz an Cadinen, Kohlenwasserstoffen, Guajakol und Kreosol. Dies rechtfertigt seine Anwendung bei verschiedenen Hautkrankheiten in Form von Salben, alkoholischen Lösungen und Seifen.

 2. Pflanzen, deren Wirkungsmechanismus vorwiegend auf ihrem Gehalt an Glykosiden beruht sind folgende:

Aloe, Akelei, schwarzer Senf, Zaunrübe, Zitrone, Schwertlilie, Espe, Mandelbaum, Pfirsiche, Krapp, Weide, Erdpfeffer, Wiesenklee, Preißelbeeren, Eisenkraut, Mistel, Bachblume, Senf.

 

Glykoside sind im Pflanzenbereich in großer Anzahl vorkommende, stickstoffreie Substanzen, die chemisch aus einem für das Glykosid charakteristischen Anteil, dem Genin und aus Zucker bestehen. Die Bindung zwischen Genin und Zucker ist äther-artig. Doch sind diese Äther sehr unstabile Verbindungen. Sie zerfallen gerne in ihre Komponenten und viele Genine besitzen die für das Glykosid charakteristischen Wirkungen nur in sehr abgeschwächtem Maße.

Der Wirkungsmechanismus vieler Glykoside besteht in ihrer Oberflächenaktivität, d.h. an ihrem Hängenbleiben an Oberflächen. Glykoside die an jeder Oberfläche hängen bleiben bezeichnet man dabei als unspezifische: Die Saponine gehören hierher; und Glykoside die hauptsächlich an der Oberfläche eines bestimmten Organs haften bleiben als spezifische, zu denen z.B. die Herzglykoside zählen.

 H. empfiehlt Aloe in Cc. „Bei halbseitigem Kopfschmerz“ in Verbindung mit Myrrhe und Mohnöl. Außerdem in der Abhandlung „von den Würmern in den Zähnen“. Dabei soll Myrrhe und Aloe zu gleichen Teilen über einem Holzkohlenfeuer verbrannt werden und der Rauch an den schmerzenden Zahn geleitet werden. Aloe ist der eingekochte, getrocknete Saft aus den Blättern verschiedener Aloe-Arten. Die Aloe enthält bis zu 20% Aloin, ein Aloeemodinglykosid und bis zu 40% Harze (letztere sind an der Wirkung unbeteiligt). Medizinisch findet es Verwendung als Tonikum, in größeren Mengen, als Abführmittel ferner als Cholagogum und Emmenagogum, äußerlich als granulationsförderndes Mittel.

 In Cc. schreibt H.: „Von den geschwollenen Drüsen“, „…auf diese muß er zunächst Akelei auflegen und darauf den Teig und neun Tage lang verfahren…“, …“Wer aber schleimigen Auswurf hat, der soll Akelei in Honig beizen und oft essen…“. Auch gegen Fieber soll der Saft mit Wein vermischt ein gutes Mittel darstellen.

Die Blätter, wie überhaupt die ganze Pflanze enthalten eine geringe Menge einen Nitrilglykosides. Alle Teile der Pflanze sollen giftig wirken. Heutige Anwendung: Vollkommen obsolet.

 

In dem Kapitel „Von der Kolik“ in Cc. spricht H. „vom Senf der auf dem Felde wächst.“ Er wird von ihr nur für gesunde Menschen empfohlen, da er leicht den Magen beschwert.

Die Samen des schwarzen Senfs enthalten das Glykosid Sinigrin das durch ein Perment des Senfsamens gespalten wird. Hierbei entsteht das Senföl, das eine ausgezeichnete hyperömisierende Wirkung hat.

 H. empfiehlt in Cc. die Zaunrübe als Kompositum gegen Leibschmerz und in Ph. gegen Fußgeschwüre.

Das aus der Zaunrübenwurzel isolierte Glykosid Brionin findet nach E. Merk als drastisches Abführmittel in der Medizin Verwendung bei Kongestionszuständen der Leber und den Folgezuständen akuter Infektionskrankheiten, sowie bei allen chronischen Entzündungen der serösen Membranen.

 Blätter und Früchte der Zitrone finden bei H. in Ph. Verwendung wegen Wechselfieber.

In der heutigen Zeit sind die Citrus-Früchte wegen ihres hohen Gehaltes an Vitamin C

in der Medizin sehr geschützt. Bekannt ist die spezifische Verwendung bei Skorbut und verschiedenen Blutkrankheiten.

 In Cc. werden die Knollen der Schwertlilie gegen „Sinnlosigkeit“ und „Gegen die Üppigkeit“ empfohlen.

Bestandteile: Die Inhaltsstoffe der Droge stimmen mit denen des frischen Rhizoma nicht überein. Letzteres riecht widerlich, schmeckt scharf und bitter und hat drastische und hautreizende Wirkung. Wird das Rhizom vor dem Trocknen erhitzt, so bleibt der widerliche Geruch erhalten. Es scheinen also Enzyme bei der Veränderung der Bestandteile eine Rolle zu spielen. Neben Stärke und anderen Kohlehydraten findet sich das Glykosid Iridin und etwa 2% aetherisches Öl. Anwendung: Zu Brusttees, Zahn-u. Waschpulvern, zum Drechseln von Frontanellkugeln, zur Gewinnung des aetherischen Öles und des Irons.

 Früher wurden die Blätter der Espe anscheinend gegen das Wund liegen der Kinder verwendet. Die Rinde empfiehlt H. in Ph. gegen Gicht, Magen-, Kopf-, Rücken-u., Lendenschmerzen.

Nach Bridel soll den Hauptbestandteil der Rinde Salicin darstellen. Die heutige Verwendung ist unbedeutend.

 

In Ph. finden die Samen des Mendelbaumes Verwendung gegen Angina pectoris, Leberleiden, Kopfweh.

Bestandteile: Die Droge aus den Früchten enthält als therapeutisch wichtigsten Stoff

2-3% des Glykosides Amygdalin und das, das Amygdalin spaltende Emulsin. Ausserdem 30-50% fettes Öl, viel Eiweißstoffe, bis zu 3% Rohrzucker, Asparagin und Pentosane.

Anwendung: In erheblichem Maße zur Pressung des fetten Öls, die Presskuchen zur Darstellung des Bittermandelwassers und den aetherischen Mandelöls.

 H. schreibt über den Pfirsichbaum: „Die Frucht taugt nicht für die Medizin, wohl aber die Blätter und Wurzeln gegen Würmer (Ph.) und Stinkatem (Cc.)“. Der Samen findet gegen Gicht, Angina pectoris (Ph.), die innere Rinde (Cambium) gegen Rose, die grüne Frucht im „luterdranch“ gegen Seitenstechen, der Gummi („flius“) gegen Augentränen (Ph., Cc.), Seitenschmerz (Cc.) und Kopfweh (Ph.), Verwendung.

Bestandteile: Die Blätter enthalten ein bisher nur smorph erhaltenes Nitrilglykosid, das in Benzaldehyd, Cyanwasserstoff und Zucker zerfällt und daher amorphes Amygdalin genannt wurde. Sie werden vom Volk als Hustenmittel und gegen rheumatische Erkrankungen, die Blüten als mildes Abführmittel und zur Blutreinigung verwendet.

 

In Cc. wird Krapp nebst anderen Bestandteilen als Heilmittel für das viertägige Fieber empfohlen.

Bestandteile: Die frische Pflanze enthält 3 chromogene Glykoside.

Anwendung: Medizinisch wurde die Droge früher als Tonikum und Diuretikum benützt. Neuerdings wurde entrindete Krappwurzel wegen ihres hohen Gehaltes an Ca. bei Tbc. empfohlen.

 Die Weide lehnt H. in Ph. merkwürdigerweise ab während in Cc. ihre Anwendung gegen Wechselfieber empfohlen wird.

Neben Wachs, Gummi und Oxalaten kommen als wirksame Inhaltsstoffe der Weidenrinde in erster Linie Gerbstoffe und Salicin in Bertracht. Es ist als d-Glykosid des Salicylalkohols anzusprechen, der lokalanaesthetische Wirkungen besitzt und im Körper zu Salicylsäure oxidiert wird.

 

Etwas unglaubhaft erscheint die Verwendung des Erdpfeffers. In Verbindung mit Haselkätzchen und der Winde soll er bei Unfruchtbarkeit des Mannes wirksam sein.

Bestandteile: Die Droge aus dem Kraut enthält apfelsaures Ca, Rhamnosid Rutin, wasserlösliche Kohlenhydrate und geringe Menge eines nicht näher untersuchten giftigen Alkaloide.

Anwendung: Der frische Saft ruft Brennen und Rötung aber keine Blasenbildung auf der Haut hervor und wurde gegen Diphterie empfohlen. Die Droge wirkt abführen und brechenerregend.

 

H. empfiehlt in Ph. eine Anwendung des Wissenklees gegen Augentrübung.

Die Pflanze findet nur mehr in der Volksheilkunde Verwendung. Der Tee ist ein Mittel gegen chronischen Husten, Asthma und unregelmäßige Menstruation. Eine Abkochung der Blüten dient zu Umschlägen bei Entzündungen des Auges, bei Wunden und Geschwüren.

 Preißelbeeren erwähnt H. in dem Kapitel „Von der Verhaltung des Monatsflusses“ als Kompositum. Ferner empfiehlt sie sie als Mittel zur Blutbildung.

 Eisenkraut verwendet H. in Cc. bei Zahnschmerz: „Wenn jemand von fauligem Blut oder durch Ausscheidungen des Gehirns an den Zähnen leidet, nehme er zu gleichen Teilen Wermut und Eisenkraut…“; außerdem in der Abhandlung „Von der Gelbsucht“ als Kompositum zu Knoblauch. In Ph. ausserdem noch gegen Geschwüre und Halsleiden.

Bestandteile von herba et flores: Glykosid Verbenalin, Gerbstoff, Bitterstoff, Invertin.

In der Volksmedizin findet es Verwendung als Bittermittel und Adstringens. H. Holste hat nachgewiesen, dass das Verbenalin auf den Uterus eine stark kontraktionserregende Wirkung ausübt. Die Versuche Verbenalin in die therap. Praxis einzuführen, hatten keinen Erfolg.

 Hildegard von Bingen erwähnt die Mistel in Cc. in dem Kapitel „Von der Verhärtung der Leber“ und empfiehlt in Ph. ein aus ihr hergestelltes Pulver bei Erkrankungen des Respirationstractus.

Die Existenz der Wirkstoffe ist noch unklar. Nach neueren Feststellungen scheint die Existenz von Cholin und Cholinestern wie die Anwesenheit einer digitalisartig wirkenden Substanz gesichert zu sein (A. Mattausch). So stellten Ebster und Jarisch fest, dass die Mistel auf das Herz vom Kalt-u. Warmblütler eine Digitaliswirkung ausübt. H. Schulz berichtet, dass ein wässriger Auszug aus ihr den Blutdruck in der Art beeinflusst, dass dieser zunächst ansteigt, danach unter die Norm heruntergeht. Auch konnte Mattausch klinisch bei Hypertonie, Koronarsklerose und allgemeiner Arteriosklerose eine praktische Beschwerdenfreiheit der Kranken nach monatelanger Mistelanwendung beobachten.

 In Ph. erscheint die Bachblume gegen Gicht und als Purgans.

Bestandteile: Das Kraut enthält Bitterstoff und Gerbstoffe. Neuerdings wurde ein durch Emulein spaltbaren Glykosid, wahrscheinlich Aucubin, nachgewiesen.

In der Volksheilkunde gilt der aus der frischen Pflanze gepreßte Saft, dem harntreibende und abführende Eigenschaften nachgerühmt werden, als Blutreinigungsmittel, von dem auch Gebrauch gemacht wird bei Skorbut, Anurie, Stauungsleber und Hautausschlägen.

 Hildegard von Bingen. spricht in dem Kapitel „Von der Kolik“ in Cc. vom Senf der auf dem Felde wächst. Er wird von ihr nur für gesunde Menschen empfohlen, da er leicht den Magen beschwert.

Die Pflanze enthält als wichtigsten Bestandteil das Glykosid-Sinigrin und das Eneym Myrosin. Es findet hauptsächlich äusserlich in Form des Senfteiges oder Senfpapieres als hyperämisierendes Mittel Anwendung.

 

 

3. Folgende Pflanzen der Hildegard´schen Apotheke schätzt man heute wegen ihres Saponinecharakters.

 Konrade, Melde, Birke, Efeu, weiße Taubnessel, Pfenningkraut, Schlüsselblume, Senikel, Seifenwurzel, Märzenveilchen, Wollblume, Süßholz.

 Saponine haben die Eigenschaft, in wässriger Lösung die Oberflächenspannung des Wassers sehr stark herabzusetzen und deshalb wie die Seifen starke Schaumbildung zu begünstigen. Ihre chemische Konstitution ist noch nicht durchwegs geklärt. Im pharmakologischen Experiment verursachen die Saponine, suboutan injiziert, heftige Reizung des Gewebes, intravenös Hämolyse, schwere Darmentzündung und Lähmung des z.N.S.; per is gegeben bleben die Saponine bereits an der magenschleimhaut hängen und wirken in kleinen Dosen über den Vaguareflex expectorisierend, in größeren brechenerregend.

 In Ph. empfiehlt Hildegard von Bingen die Konrade gegen Gicht und Magenbeschwerden. Die dunkelbraunen Samen dieser Pflanze sind eine stellenweise häufige Getreideverunreinigung die durch Sieben vor der Vermahlung sorgfältig entfernt werden muß, da sie giftig ist. (Saponine!)

 Die Melde wird sowohl in Ph. wie auch in Cc. als gutes, verdauungsförderndes und Furunkel vertreibendes Nahrungsmittel empfohlen.

Nach Kroeber besitzt die Melde einen hohen Gehalt an Saponinsubstanzen, sodaß nicht ihr Anwendungsgebiet mit dem der übrigen Saponindrogen – Erkrankungen der Atmung-u. Verdauungsorgane, der Niere, Blase und Haut deckt.

 H. hält die Blütenkätzchen der Birke zu Kataplasmen bei Furunkeln und Wundverbänden geeignet.

Der alte volkstümliche Gebrauch der Birkenblätterabkochungen bei Erkrankrankungen der Harnwege ist durch die Empfehlung von Winternitz auch in der wissenschaftlichen Medizin zu Ehren gekommen.

Kroeber hat 1924 erhebliche Mengen von Saponinsubstanzen festgestellt, die an der Auslösung der Diurese und Anregung der Schweißdrüse beteiligt sein dürften.

Hildegard von Bingen verwendet die Blätter des Efeu gegen Gelbsucht und Menstruationsbeschwerden.

Beim Efeu handelt es sich um eine schon von den Alten rein empirisch angewendete Saponindroge. Nach H. Schulz enthalten die Efeublätter ein Glykosid das Hederin, welchen in niedriger Dosis erweiternde, in großen Gaben verengend auf die Gefäße wirkt, mit gleichzeitiger Bradykardie. Ausserdem soll es stark haemolytisch wirken.

 In Ph. wird die weiße Taubnessel gegen albugo occulorum empfohlen, Die Pflanze liefert eine Saponindroge und ist dementsprechend anwendbar.

Das Pfenningkraut erscheint in Cc. als Kompositum in den Kapiteln „Von der Gelbsucht“ und „Von der Kolik“.

Die Pflanze weist einen hohen Gehalt an Saponinen auf. Eine größere Bedeutung kommt ihr heute nicht mehr zu.

 In Ph. schreibt Hildegard von Bingen über die Schlüsselblume u.a.:

„Ein an Melancholie leidender soll dieses Kraut auf bloßes Leib über dem Herzen tragen…“. „Auch wer von schlechten Säften in seinem Kopf so niedergedrückt wird, dass er zuweilen ohne Sinn ist, nehme diese Pflanze…“. „Wer am ganzen Körper gelähmt ist, tue dies Kraut in seinen Becher, sodaß er den Duft davon hat, und er wird gesunden.

Bestandteile: Die Droge aus Radix enthält 5% Saponine, und wird seit dem 1. Weltkrieg insbesondere durch die Empfehlung von Joachimowitz und Wasicky in in größerem Ausmaß als Expectorans und Hustenmittel anstelle von Senega und Ipecacuanhae verwendet. In der Volksheilkunde gebrauchte man den Tee aus Blättern und Blüten ausserdem noch gegen Nieren-u. Blasenkrankheiten, Gicht, Rheuma und Migräne.

 Sanikel dient in Ph. gegen Magenleiden und innerliche Wunden. Sanikula ergibt eine Saponindroge und findet unter vielen anderen Verwendungsmöglichkeiten vor allem Anwendung bei Erkrankungen der Luftwege.

 H. empfiehlt die Anwendung der Seifenwurzel bei Augentrübung, Ohrensäuren, Brustschmerz und inneren Geschwüren.

Das Seifenkraut enthält in all seinen Teilen mehr oder minder große Mengen Saponine, am reichsten im Wurzelstock. Die Saponindrogen, als deren typischer Vertreter das Seifenkraut anzusprechen ist, haben zu allen Zeiten und bei allen Völkern von jeher als die Blutreinigungsmittel des Volkes gegolten, das ihnen appetitanregende, harn-u. schweißtreibende, schleimverflüssigende und abführende Eigenschaften zuschreibt.

 Das Märzenveilchen empfiehlt H. in Cc. „Gegen den Krebs, allerlei Geschwüre und den Kopfschmerz“, sowie in dem Kapitel „Von den feurigen Augen“ im Verein mit anderen Kräutern als wirksame Arznei.

In der Nachkriegszeit nach dem 1. Weltkrieg ist vor allem Kroeber für die klinische Erprobung der Pflanze an Stelle der nicht mehr zur Verfügung gestandenen Radix Ipecacuanhe eingetreten und zwar hauptsächlich bei Erkrankungen der Atemorgane.

Im Volk ist sie meist zur „Blutreinigung“ gegen Hauterkrankungen, als Diureticum und Expectorans im Gebrauch.

 In Cc. gibt H. für die Wollblume folgende Heilanzeigen:

„Vom Lungenschmerz“, „Von der Verhaltung des Monatsflusses“ und „Von den Spulwürmern“.

Die Wollblumen (Floris Verbasei) bilden einen Bestandteil der Spesies pectoralis. Ihre expectorierende Wirkung beruht in der Hauptsache auf dem Gehalt an sekretolytisch wirkenden Saponinen. Hieraus ergeben sich die auch in der Heilkunde seit langem bewährten klinischen Heilanzeigen: Erkältungskrankheiten, Katarrhe der Luftwege, Affektionen des Darmes Rheums und Menstruationsbeschwerden.

 In Cc. empfiehlt H. die Süßholzwurzel als Kompositum zur Herstellung von Abführtränken und zusammen mit Fenchel zur Zubereitung eines Lautertrankes gegen „Herzweh“.

 Den wichtigsten Bestandteil des Süßholzes stellt des Glykosid Glycyrrhizin dar, das in der Wurzel enthalten ist. Es wirkt allerdings nicht hämolytisch. Die Radix Liquiritiae – Lakritzenwurzel = Süßholzwurzel wird als geschmackverbesserndes Mittel viel verwendet. Succus liquiritiae ist der eingedickte Extrakt, der in Stangen in den Handel kommt und als Zusatz zu expektorationsfördernden Mixturen (Mixtura solvens) gegeben wird.

4. Folgende Pflanzen sind wegen ihrer schleimliefernden Substanzen in Hildegards therapeutischen Anwendungen von Interesse.

Eibisch, Quitte, Lein, Malve, Linde, Bockshornklee, kleiner Huflattich. 

Schleime (Mucikagines) sind dickflüssige, aus Pflanzenstoffen hergestellte, Arzneibereitungen.

In den schleimigen Mitteln sind kolloide Stoffe enthalten, die reizabhaltend und resorptionshemmend wirken. Diese Wirkung beruht einerseits darauf, dass die Schleimhäute von den Mucilagines gleichsam mit einer Schutzschicht überzogen werden, die die gegen Reize schützt und die Resorption verzögert, und andererseits auf der Adsorptionswirkung der Kolloide gegenüber reizend wirkenden Substanzen.

 Hildegard von Bingen gibt Verwendungsmöglichkeiten von Eibisch in Ph. gegen Fieber und Kopfweh, in Cc. gegen Migräne an.

Als für die Therapie wertvollsten Inhaltsstoff birgt die Eibischwurzel bis 25% Schleim von der allgemeinen Polyeacharidformel (O6H10O5)n. Nach O. Gassner vermögen die schleimliefernden Drogen die Schleimhäutewie ein Kataplasma vor mechanischen Reizen zu schützen und auch örtlich reizende Stoffe bis zu einem hohen Grad einzuhüllen und dadurch ihre Reizwirkung auf die Schleimhäute erheblich zu dämpfen oder auszuschalten.

 Hildegard von Bingen erwähnt die Quitte in Ph. als Mittel gegen Gicht, Verschleimung und Geschwüre.

Der therapeutisch wichtige Bestandteil der Quittensamen ist der in der Epidermis bis zu 22% vorhandene Schleim, der ein Gemenge eines hydrolisierbaren Pontosanschleimen darstellt. Seine Verwendung ist angezeigt bei Entzündungen der Schleimhäute, des Rachens und des Magens, bei Husten und Erkältungskrankheiten.

 In Cc. empfiehlt H. Leinsamen in den Kapiteln „Vom Milzschmerz“ und „Vom Schmerz in der Seite“.

Die äusserliche Applikation von Leinsamen dient heute wie früher als hyperämisierendes Mittel. Leinöl gilt ferner als mildes Abführmittel, was auf die Quellwirkung und Wasseranziehung des zerstoßenen Leinsamens zurückzuführen ist.

In Cc. findet die Malve bei „Kopfweh durch Schwarzgalle“ mit Salbei als Kataplasma Verwendung und ist ausserdem Bestandteil eines Antidots „Gegen das Gift“.

Die Malvenblätter und –Blüten enthalten in der Hauptsache Schleim- und Gerbstoff, in den Blüten ist ausserdem ein Farbstoffglykosid nachgewiesen. Sie haben in der Hauptsache reizmildernde, schleimlösende und sedative Wirkung. Die Schutzwirkung des Malvenschleimes gegen chemische und elektrische Reize ist von    Tappeiner und Vollmer nachgewiesen worden.

Die Linde findet in Ph. vielseitige Verwendung und zwar die „cortex mediana“ gegen Augenleiden, das Holz als Sympathiemittel gegen Pest, die Blätter als Augenheilmittel, die Erde unter Lindenbäumen gegen Gicht.

Bestandteile der Blüten: Schleim, Zucker, Wachs.

Die schweißtreibenden Substanz ist nicht bekannt. Die Linde zählt zu den sogenannten Fettbäumen bei denen die Stärke im Winter in ein Öl umgewandelt wird. Als volkstümliche Verwendungsgebiete der Lindenblüte sind zu erwähnen: Erkältungskrankheiten, Nieren-u. Blasenleiden. Die aus dem Holz hergestellte Carbo ligni tiliae stand früher in großem Ansehen gegen chronische Hautkrankheiten..

H. weiß in Cc. verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten von Bockshornklee: „Vom weißen Fleck in den Augen“, „Vom Herzweh“, „Von der Schwellung des Hodensacks“, „Von der Reinigung von Speichel und Schleim“, ausserdem noch gegen Ohnmacht, Nieren-, Leber-u. Lungenkrankheiten.

Bestandteile: Etwa 28% Schleim, Fett, 27% Proteinstoffe, ein kristallinisches Saponin, Harze.

In Frankreich wurde 1924 durch die Disseration von R. Müller darauf aufmerksam gemacht, dass der Bockshornklee in allen Fällen indiziert ist, wo man früher glaubte, Phosphor, Eisen und Arsen verordnen zu müssen. Im einzelnen will er ausgezeichnete Erfolge gesehen haben bei Osteomyelitis und Knochenerkrankungen tuberkulöser Kinder. 

Kleiner Huflattich ist nach H. in Cc. bei „Verhärtung der Leber“ in Verein mit Wegerichwurzel und Brenesselschleim anzuwenden. Ebenso für das dreitägige Fieber.

Bestandteile: Schleim, Bitterstoff, Inulin, Eiweißstoffe. Medizinisch wird die Pflanze als Schleimdroge bei Katarrhen der Atmungsorgane als Bestandteil von Teemischungen verwendet. Nach H. Schulz sind in den Blättern reichliche Mengen salpetersaurer Salze vorhanden, worauf die expectorisierende und schleimverflüssigende Wirkung der Droge besteht.

 5. Als Pflanzen mit vorwiegend adstringierender Wirkung finden wir bei Hildegard den Odermenning, die Erle, Cypresse, Esche, den Storchenschnabel, das Mäuseöhrchen, den Walnussbaum, die Tormentille, Rose, Ulme, Brombeere.

Gerbstoffe 

Hildgard von Bingen schreibt über den Odermenning in Cc. „Vom Aussatz durch Unenthaltsamkeit“. „Si autem homo de libidine aut incontinentia leprosus effictur, egrimoniam…“. Diese Stelle will Schulz auf Lues beziehen. Ausserdem wird die Pflanze genannt in den Kapiteln: „Von der Reinigung von Speichel und Schleim“, „Von der Kolik“, „Ebenso vom hitzigen Fieber“. Dabei wird sie meist als Kompositum verwendet.

F. Mattausch, der sich eingehend mit der Pharmakologie dieser Pflanze beschäftigt hat, betont vor allem, dass der Gehalt an Gerbstoffen die Möglichkeit gibt steuernd auf die Erregbarkeitslage bei Tonusveränderungen im gesamten Verdauungsapparat zu wirken. Eine ähnliche Wirkung weist der Gehalt an Bitterstoffen auf, derne pharmakologische Eigenschaften sich in sympathikoton gerichteten Steuerungen zeigen.

Hildegard von Bingen. empfiehlt die Blätter der Erle in Cc. „Vom Tränen der Augen“: „…hat er kein Feigenblatt, so nehme er ein Erlenblatt das vom nächtlichen tau benetzt und von der Sonne erwärmt wurde und lege es sich auf seine Augen, um deren Feuchtigkeit einzuschränken…“. Blätter und Rinde enthalten viel Gerbstoff und wurden früher in den Apotheken gehalten. (Folia und Cortex Alni).

 Hildegard von Bingen schreibt von der Zypresse: „Grünes oder trockenes Holz in Wein gekocht, öfters nüchtern getrunken, soll für Magenleiden gut sein. Zweige mit den Blättern in Wasser gekocht, darin ein Bad genommen, soll ein Roborans für Kranke darstellen“.

Auszüge aus den Früchten, die hauptsächlich Gerbstoff und aetherisches Öl enthalten, können als Adstringens verwendet werden.

 ie Blätter der Esche liefern bei H. ein Mittel gegen die Gicht. Sehr interessant ist ihre Verwendung zur Zubereitung eines Haferbieres, in dem sie den Hopfen ersetzt, ferner ihre Brauchbarkeit für eine nicht weiter geschilderte Ziegenkrankheit. Die früher als Herbae Fraxini vel Linquae avis offizinellen Eschwnblätter gelten schon on vorchristlichen Zeiten als stuhlgangförderndes Mittel. Die Droge weist einen hohen Gehalt an Gerbstoffen auf.

 Der Storchenschnabel erscheint in Ph als Mittel gegen Steinleiden und Herzneurose, bei Cc. in Kompositis als Purgans, sowie gegen Gift und Beschwörung.

In chemischer Beziheung sind die Geraniacaen insbesondere ausgezeichnet durch den ungewöhnlich hohen Gehalt ihrer Wurzelstöcke an Gerbstoffen. Heute ist ihre arzneiliche Verwendung verlassen.

 Hildegard von Bingen kennt das Mäuseöhrchen als herzstärkendes Mittel.

Bestandteile: Viel Gerbsäure. Nach W. Brandt und R. Wasicky ein selten verwendetes Volksmittel gegen Djarrhoen und Lungenkrankheiten. Fast alle Teile des Walnussbaum finden bei H. medizinische Verwendung. Die Rinde und Blätter gegen Würmer (Ph., Cc.), letztere auch gegen Gicht und Lepra. Die Schale verwendet Cc. gegen Augentränen und Ph. gegen Grind. Vor dem Genuß des Nussbaumkernes werden schwächliche Menschen gewarnt.

In pharmakologischer Hinsicht stehen die adstringierenden Eigenschaften der Blätter aufgrund des Gerbstoffreichtums im Vordergrund der Wirkung. Diese geben wohl auch die erste Veranlassung zu ihrer medizinischen Verwendung, die dann nach und nach in der Volksheilkunde auf Skrofulose, Darmparasiten, Magen-u. Darmkatarrhe, Ekzem, Augenentzündung und sogar auf Impotenz ausgedehnt werden.

Die Tormentille findet Verwendung in Cc. in den Ausführungen H. „Von der Kolik“ und „Vom täglichen Fieber“.

Die Tormentille enthält 17-30% Gerbsäure, daneben Farbstoff, Harz, Gummi usw…Ganz im Vordergrund steht die Gerbsäurewirkung. Außer R.F. weiß hat sich auch W. Bentz (1938) eingehend mit den klinisch-pharmakologischen Eigenschaften der Tormentille befasst. Allgemein gibt Bentz als Indikationsgebiet für die Tormentille (in Form der frischen Tinktur oder einer 20%igen Wurzelkochung) verschiedenen entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darmkanals an. Bentz bestätigt damit die Angaben von Léclerc, welcher die Tormentille als eines der besten mittel für Gerbsäuretherapie der Darm-Tbc. bezeichnet.

Die Rose führt H. in einem Rezept „Gegen Blutendrang im Auge“ an. Weiterhin findet die Rose Verwendung gegen Lungen-u. Leberschmerzen und bei „Kopfschmerz durch Verqualmung des Magens“. „Und wer ein mäßiges Geschwür an seinem Körper hat, lege Rosenblätter darauf, sie ziehen die Fäulnisstoffe heraus. Die Rose ist auch gut für Heiltränke, Salben und jederlei Heilmittel, „wenn sie beigemengt wird“. Ein Allheilmittel ist das Rosenöl.

Die Blätter geben einen schleimigen Tee, der hin und wieder als Mittel gegen Durchfall, Lungenkatarrh und Wassersucht empfohlen wird. Die äußerliche Anwendung geschieht in Form des Mel rosatum, in dem der Gerbstoff das wirksame Agens sein dürfte.

Das Holz der Ulme wird in Ph. verwendet gegen Gicht, Freischen und ausserdem als Symphathiemittel. Bestandteile: Gerbstoff, Schleim.

H. Schulz schreibt in seinen „Vorlesungen über Wirkung und Anwendung deutscher Heilpflanzen“ Leipzig 1929, dass der Gebrauch der früher offizinell gewesenen Cortex ulmi interior ehemals bei chronischen Ekzemen beliebt war und dass der Absud der getrockneten Ulmenrinde noch heute vom Volk bei Wechselfieber und Gicht Verwendung findet.

 Rubus fructicosus L., „Brema in qua brambere nascuntur“ (Bormbeere) findet in Ph. Verwendung gegen Zungen-u. Zahnschmerz, Lungenleiden und Husten, bei Cc. „Vom Blutfuß aus dem After; und „Für das viertägige Fieber“. Die Pflanze stellt eine Gerbstoffdroge dar. Einige Autoren empfehlen bei Katarrhen der oberen Luftwege speziell bei Pharyngitis, Laryngitis Abkochungen des Brombeerstrauches als Gurgelwasser.

An bitterstoffhaltigen Pflanzen verdienen bei H. hervorgehoben zu werden die Ringelblume, das Tausendgüldenkraut, der gelbe Enzian, der Hopfen, der Andorn, die Schafgarbe. In Ph. wird die Ringelblume als Mittel gegen Vergiftung und Kopfschmerz empfohlen, in Cc. gegen Verdauungsstörungen. Die Pflanze ist reich an Bitterstoffen(19%). Die Blätter werden nur noch selten vom Volk als Wund- und schweißtreibendes Mittel verwendet.

Wahrscheinlich ist die in Cc. vorkommende Glosse „aqua cnith“ ein Hinweis, dass das noch heute offizinelle Distelwasser aus Cnicis benedictus L., der Kardobenedikte gewonnen wurde. Die Droge enthält den Bitterstoff Cnicin.

Auf Anwesendheit dieses Körpers beruht die Verwendung der früchte als Purgans und Vomitivum. Das Volk sieht in ihren ein Mittel gegen Seitenstechen.

Das Tausendgüldenkarut wird zusammen mit Chrysanthemum Farthenium als „febrifugi“ genannt. Bei H. wird sie in Ph. gegen Leibschmerzen, in Cc. bei Kolik und Menstruationsbeschwerden empfohlen.

Pharmakologisch gehört das Tausendgüldenkraut wie er Enzian und der Bitterklee zur Gruppe der Bitterstoffdrogen. Es wirkt in kleinen Dosen sekretionsanregend auf Speichel-Magen-u. Darmdrüsen und fördert die Darmperistaltik. Aus diesem Grunde hat sich auch seine Anwendung in der Medizin als Bestandteil der Tinctura amara, sowie der Species stomachicae erhalten. Der gelbe Enzian ist ein noch heute gebrauchtes, vorzügliches Magenmittel und war auch H. mit dieser Verwendungsmöglichkeit schon bekannt. Der Enzian gehört pharmakologisch zur Gruppe der Bittermittel (amara). Er hat auch als Tonikum, Stomachikum sowie als Fiebermittel seinen Platz in der neuzeitlichen Medizin gehalten. Er enthält an wirksamen Bestandteilen eine Reihe von Glykosiden, die als gemeinsame Eigenschaft eine lokal anregende Wirkung auf den Verdauungstraktus zeigen.

In Cc. verwendet H. Hopfen gegen „Melancholie“.

Heute finden Glandulae Lupuli, die in vielen europäischen Staaten offizinell sind, hauptsächlich Verwendung als Bittermittel und Sedativum bei sexuellen Erregungszuständen Verwendung. Die heute noch übliche Verwendung des Andorn gegen chronische Katarrhe erscheint in Ph. bei Kehlkopfleiden. In Cc. läßt H. bei „Kopfschmerzen durch Verqualmung des Magens“ aus Andorn, Salbei, Maioran und Fenchel eine Salbe herstellen. Als wirksamer Bestandteil kommt ein kristallinischer Bitterstoff Marrubiin in Betracht. Die Verstärkung der Magen-u. Gallensaftsekretion läßt sich auf diese Bitterstoffwirkung zurückführen und die im Volk gebräuchliche Anwendung bei derartigen Leiden verständlich erscheinen. Schulz erwähnt auch die Anwendung von Marrubin bei veralteten Katarrhen der Luftwege.

H. schreibt in Cc. über die Schafgarbe: „Wer durch vieles Weinen trüsichtig geworden ist, nehme Schafgarbe oder auch deren Wurzel…ebenso soll ein Mensch, den jeden zweiten Tag das Fieber plagt Schafgarbe nehmen, doppelt soviel Engelsüß und beides in gutem Wein kochen…“. Ausserdem zur Zubereitung von Medikamenten bei Schlaflosigkeit, Verhaltung des Monatsflusses und bei Blutfluß. Ihre pharmaklologischen Eigenschaften sind wohl in der Hauptsache an das aetherische Öl und den Bitterstoff Achollein gebunden. Nach Kroeber haben die bitterstoffhaltigen Pflanzen in Form des frisch zubereiteten Saftes eine gefäßkrampflösende Wirkung.

Als Wurmmittel kennt H. folgende Pflanzen:

Wurmfarn, Kürbis.

Nach H. soll der Wurmfarn auch eine heilende Wirkung bei Gicht und Magenleiden besitzen. Rhizoma filicis ist das am meisten gebräuchliche Wurmmittel. In dem dunkelgrünen, dickflüssigem, fetten Öl der Wurzel ist eine Reihe wirksamer Bestandteile enthalten. Vor allem die Phoroglucin – Buttersäureester Albaspidin und Aspidinolfilicin. Die Wirkung auf die Würmer besteht in einer Lähmung der Muskulatur. Vergiftungserscheinungen beim Menschen durch resorbiertes Öl äussern sich in Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Benommenheit, tetanieartigen Krämpfen und unter Umständen Opticus-Atrophie.

Der Flaschenkürbis „Flesche“ in Hildegards Heimat auch „Fläsch“ genannt wird von H. wegen seiner Kälte als Nahrungsmitte abgelehnt.

Die Kürbiskerne werden seit längerer Zeit als Bandwurmmittel angewendet; worauf ihre Wirkung zurückzuführen ist, hat sich bisher noch nicht feststellen lassen. Abführmittel wurden im Mittelalter „zur Reinigung“ von schlechten Säften sehr häufig verwendet. Sie setzen in der Darmwand einen chemischen Reiz, der mit lebhaften Bewegungen beantwortet wird.

Die Pugierwinde liefert bei H. das drastisch wirkende Scammoninum. Die Scammoninumwurzel enthält 10% Harz, das stark abführend wirkt.

Die zerstoßene Rinde mit etwas Quecksilber vermischt verabreicht H. gegen „Grindige Nägel“, in Verbindung mit Haselkätzchen und Mauerpfeffer gegen männliche Impotenz. Bestandteile: Nicht untersucht, in der Wurzel scharfes, abführend wirkendes Harz.

 In Cc. ist von der Springwolfsmilch und der gemeinen oder Teufelswolfsmilch die Rede in den Kapiteln „Von der Verdauungsstörung“ und „wie man Abführtränke gebrauchen soll“.

Die Samen der Wolfsmilchgewächse die früher als Spring-oderPurgierkörner – Semen Cataputiae minoris – als starkes Abführmittel in Gebrauch standen, enthalten 40%eines stark abführenden Öles, nebst Aesculetin.

In Cc. findet das aus den Früchten des Ölbaumes gewonnene Öl Verwendung bei „Kopfweh durch Schwarzgalle“ und „Verqualmung des Magens“, bei Geschwüren, gegen den Krebs und die Gicht. In Ph. werden die Blätter und Rinde gegen Herz-und Lendenschmerzen, sowie gegen Gicht und Magenleiden verwendet.

Vorwiegend benützt man heute das Öl zu medizinischen Zwecken. Innerlich dient es in Form der Emulsion als leichtes Abführmittel, rein in Gaben von 100 – 200 g zum Abtreiben von Gallensteinen. Äußerlich verwendet man es bei Verletzungen und Schwellungen, ferner zu Klysmen, Linimenten und Salben.

Pflanzen, denen ihrem vorwiegenden Gehalt an Alkaloiden ihre Wirkung  in der Medizin zuzuschreiben ist, kennt Hildegard folgende:

 Deutscher Bertram, Tollkirsche, Schöllkraut, Wasser- und Fleckeschierling, Herbstzeitlose, Bilsenkraut, Giftlattich, Lupine, Alraunwurzel, Schlafmohn, Schwarzer Nachtschatten, weißer Germer, Frauendistel.

Unter Alkaloiden versteht man Pflanzen, (besonders in Discotyledonen) gebildete, N-haltige, basische, mit Säuren Salze bildende Substanzen. Alkaloide kommen in allen Teilen der Pflanze vor. In den Pflanzen ist das Alkaloid meist nicht frei, sondern an Säure gebunden. Ein Teil der Alkaloide gehört zu den wirksamsten Substanzen die wir kennen. Viele von ihnen sind dadurch ausgezeichnet, dass sie ganz elektiv auf bestimmte Zellen wirken.

 Die Indikationen für Bertram in Cc. sind folgende: „Bei Gebrechen der Lunge“, „Vom Herzweh“, „Vom Magenschmerz“, „Vom Podagra“. Die Droge enthält ein scharfschmeckendes Harz aus dem ein Alkaloid Pyrethrin isoliert wurde. In der Volksheilkunde ist sie als Mittel gegen Zahnschmerzen und Mundhöhlenerkrankungen heute noch in Gebrauch.

 H. benützt die Tollkirsche zur Bekämpfung von Neuralgien und zur Zubereitung von salben und Pflastern.

Von den vorhandenen Alkaloiden entfallen 99% auf Hyoscyamin bzw. Atropin. Medizinisch heute in Form der Folia belladonae oder als Atropinum sulfuricum allgemein verwendet.

 Das Schöllkraut verwendet Hildegard in Cc, als Kompositum in dem Kapitel „Von der Reinigung von Speichel und Schleim“. In Ph. wird es bei Herpes angewendet.

Nach J. Gadamer lassen sich die bisher bekannten sechs Chelidoniumalkaloide in drei Gruppen einteilen:

1.      Chelidonin u. Homochelidonin

2.      Sanquinarin u. Chelerythrin

3.      Allotrypin u. Protopin.

Das Alkaloid Cherythrin ist nach Ansicht der meisten Forscher das wirksame Prinzip des Pflanzensaftes, seine toxischen und medizinischen Wirkungen bedingend. Es ruft Diarrhoe sowie Erbrechen hervor und wirkt lähmend auf das Vasomotorenzentrum. Der frische Milchsaft wird vom Volk als Arzneimittel bei Warzen und Sommersprossen angewendet.

 Hildegard von Bingen erzählt sehr merkwürdige Dinge über den Schierling (Wasser- u. Beckschierling). man darf ihn wegen seiner Giftigkeit nicht essen, aber auf Prellwunden und geschwollene Glieder gelegt, wirkt er sehr heilsam. Die Giftwirkung des Wasserschierlings beruht auf dem Circutoxin, einem typischen Krampfgift, dessen Einfluss sich besonders auf die Medulla oblongata erstreckt. Im Gegensatz zur curareartigen Wirkung des gefleckten Schierlings kommt es beim Wasserschierling zu epileptischen Krämpfen.

Hildegard von Bingen schildert die Giftwirkung der Herbstzeitlose auf den Menschen, während das Vieh nur träge und bösartig wird. Das Hauptalkaloid der Herbstzeitlose gehört zu den Kapillargiften. Es lähmt insbesondere die Kapillaren des Magen-Darmkanals, sodass Übelkeit, Erbrechen sowie wässrige bis blutige Stühle auftreten können. In toxischen Dosen führt es zur Kupierung akuter Gichtanfälle.

 Das Bilsenkraut kennt H. mir als Giftpflanze. Das Bilsenkraut zählt zu den ältesten bekannten Giftpflanzen. Es findet sich bereits als schmerzstillendes Mittel bei den Babyloniern, auch der Papyrus Ebers erwähnt es. Die Wirkung des Bilsenkrautes beruht in der Hauptsache auf dem darin enthaltenen L-Hyoscyamin.

 H. schildert den Giftlattich als gefährliche Giftpflanze.Aus dem Milchsaft der besonders in der Moselgegend kultivierten Pflanze wird das Lactucarium germanicum gewonnen, den hypnotische und das Atemzentrum beruhigende Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese sedative und hypnotische Wirkung wurde neuerdings pharmakologisch von A.W. Forst bestätigt.

 In Cc. dient die Lupine wie heute noch gegen Darmparasiten und Leibschmerzen. Die Pflanze enthält ein Alkaloid Lupanin, doch ist ihre Bedeutung in der Medizin gering.

 Die Mandragora kann H. nur als Droge gekannt haben. Sie gibt genau dieselben Anwendungen an als Anästhetikum, Hypnotikum und Aphrodisiacum wie ein modernes Buch. (Dragendorff, Die Heilpflanzenkunde der Völker und Zeiten, Stuttg. 1898). Im Mittelalter war sie einer der Hauptbestandteile der Spongiosa somnifera. Die Mandragorawurzel enthält an Wirkstoffen hauptsächlich Hyoscyamin, Atropin und Skopolamin, alles heute in der Medizin viel verwendete Stoffe.

In Cc. findet der Schlafmohn Erwähnung in der Abhandlung „Vom halbseitigen Kopfschmerz“. Der durch das Anschneiden der unreifen Früchte von Papaver somniferum gewonnenen und an der Luft getrockneten Milch stellt das Opium dar. Opium enthält 25 Alkaloide in wechselnden Mengen, darunter als das wichtigste, das Morphin. Die Bedeutung der Opiumalkaloide in der Medizin allgemein bekannt. Die bei H. angegebene Wirkung dürfte auf die spasmolytische und analgetische Wirkung des Opiums zurückzuführen sein. Ph. bezeichnet den schwarzen Nachtschatten als Mittel gegen Kopfschmerzen, gegen „Schwellung der Füße“ und gegen Herzbeschwerden.

C.B. Inverni nennt solanum nigrum ein gutes Beruhigungsmittel bei Magen-u. Blasenkrämpfen. Es ist nach ihm auch ein leichtes Harkotikum und Analgetikum. Es ist nach ihm auch ein leichtes Narkotikum und Analgetikum. Jedoch meist nur in der Volksheilkunde als Blutreinigungsmittel, Antirhematikum und Diuretikum verwendet.

Unter Weißer Germer wird von Fischer–Benzon  ein von H. beschriebenes Heilmittel „sichterwurz alba“ verstanden. Sie wird als Abführmittel und gegen Melancholie empfohlen. In der Medizin wird die weiße Nießwurz (Rhizoma veratri) als Mittel gegen Neuralgien empfohlen und in Form von Pillen, Pulvern und Abkochungen verordnet. Das aus seiner Wurzel isolierte Alkaloid Veratrin wird wegen seiner scharfen Wirkung nur in Salbenform verordnet.

Die „vehedistel“ (Frauendistel) dient in Ph. gegen „Herzstechen“ in Cc. gegen Freischen. Obwohl die Droge schon im vorigen Jahrhundert vollkommen außer Gebrauch gekommen war, wurde sie neuerdings als Secale-Ersatz vorgeschlagen, da in den wässrigen Auszügen sekundär gebildete Amine wie Thyramin, Histamin, Agmatin, nachgewiesen wurden.

 Durch hohen Gehalt an Polysacchariden sind ausgezeichnet die Wegarte, die Feigen, echter Alant, Klette, Maulbeere, Pfingstrose, Pestwurz, Datteln, Judenkirsche, Pferdebohne, Rispenhafer, Weizen, Spelz, Roggen.

 Die Wegwarte verwendet Hildegard von Bingen in Ph. gegen Katarrh und Indigestionen. In pharmakologischer Hinsicht ist besonders das Inulin, ein Polysaccharid, welches nach Grave-Vouk (1912) als Produkt der Kohlensäureassimilation gebildet wird von Bedeutung. Wie allen Inulindrogen wird auch der Zichorie eine unmittelbare Stoffwechselwirkung zugesprochen, worauf die speziell von alten Ärzten (v. Haller, Hecker) geübte Anwendung bei Leberkrankheiten beruht.

In Ph. verwendet H. die Blätter des Feigenbaumes samt Wurzel gegen Kopfweh, in Cc. gegen Augen-u. Brustleiden. Von den Früchten hält sie merkwürdigerweise gar nichts.

Die Früchte, die rund 50% Invertzucker enthalten, finden heute noch Verwendung zur Zubereitung von Species pectorales c. fructibus, in der Volksmedizin als erweichende Mittel bei Geschwüren und in großen Mengen als Obst.

 Echter Alant wird von H. erwähnt in Cc. in ihren Abhandlungen „Vom Lungenschmerz“ und „Von der Krätze“ als Kompositum.

Die Wurzel der Pflanze enthält bis zu 44% Inulin, das von Val. Rose in Inula entdeckt und nach der Pflanze benannt wurde. Außerdem enthält sie 1-2% aetherisches Öl, worauf die Verwendung des Mittels gegen Lungenleiden zurückzuführen sein dürfte. Heute wird die Pflanze fast nur mehr in der Volksmedizin benützt u.a. auch als Abortivum.

Die Klette findet in Ph. Verwendung gegen Steinleiden, Grind, Indigestionen sowie in Cc. gegen Lepra. Die Pflanze enthält etwa 40% Inulin, Gerbstoff, Zucker und Schleim. Bekannt ist das Klettenwurzelöl als Haarwuchsmittel.

 Die Maulbeere erscheint bei H. in Cc. in der Abhandlung „Von der Verhärtung der Leber“. „…so kann der Leidende öfters Maulbeerwein trinken, weil der Schmerz der Leber in vielen Fällen von zu großem Blutreichtum herrührt, den die Wärme und der Saft der Maulbeere, der gewissermaßen dem Blute verwandt ist, beruhigt…“. Heute werden die Früchte, die reichlich Zucker enthalten, zur Zubereitung eines Sirups medizinisch verwendet.

In Cc. „Vom Magenschmerz“ verordnet H. die Pfingstrose zusammen mit Eberraute und Fünffingerkraut als Heilmittel. Die Wurzel gebraucht sie „Gegen drei-u. viertägiges Fieber“, Stomatitis und Krätzmilben, den Samen gegen Verlust der Sprache, Epilepsie und Paralyse.Die Wurzel enthält bis zu 25% Stärke, organische Säuren, Gerbstoffe und Harz. Außerdem ein Glykosid, das in Glukose und Paenol gespalten wird.

Anwendung: Obsoletes Volksheilmittel, früher als Antiepileptikum und Antispasmodiacum gebräuchlich. 

 In Cc. schreibt H. „Von den geschwollenen Drüsen“: „Wer geschwollene Drüsen am Körper hat, nehme bevor sie aufbrechen Huflattichblätter, d.h. die großen, die außen weiß und innen grün sind… und soll sie drei Tage lang auf die Drüsen legen…“.

Bestandteile: Als Inhaltsstoffen werden in älteren Analysen Inulin und aetherisches Öl angegeben. Wie alle saftigen Blätter werden auch jene der Pestwurz heute noch in der Volksmedizin ganz oder zerquetscht bei Brandwunden, Drüsengeschwülsten, Verstauchungen und Verrenkungen aufgelegt, während das getrocknete Blätterpulver nach den angaben der Alten Bestreuung schwer heilender Wunden dient.

 Der „datilboum“ und „palma“ werden bei H. an verschiedenen Stellen behandelt. Der Baum erscheint in allen Teilen als Expectorans (Rinde, Holz, Früchte), ebenso gegen Pleuritis und Schizophrenie. Die Früchte, Datteln, portugiesisch Tamaras, sind in Portugal offizinell. Sie sind ihres hohen Zuckergehaltes wegen ein wichtiges Nahrungsmittel in Afrika und Arabien. Aus ihnen wird ein Sirup gewonnen, der auswurffördernde Wirkung hat.

 Hildegard von Bingen empfiehlt die Judenkirsche in Ph. gegen „Augentrübung“ und „Ohrenleiden“.

Analog der Verwendung im Altertum steht der mit Branntwein erhaltene Judenkirschenauszug im –rufe gegen Nieren-u. Blasenleiden gut zu wirken unter gleichzeitig gesteigerter Wasserabgabe und Ausscheidung reichlicher Mengen harnsaurer Salze.

Die Pferdebohne wird von H. gegen Leibschmerzen empfohlen. Die Samen enthalten über 40% Stärke und gegen 25% Stickstoffsubstanzen. Sie werden in manchen Ländern heute noch zu Mehl vermahlen als Nahrungsmittel benutzt.

Als Nahrungsmittel kommen hier noch in Betracht:

Gemeiner Rispenhafer. In Ph. schildert H. die Eigenschaften des Hafers folgendermaßen: „Der Hafer ist warm und hat einen scharfen Geschmack, sowie eine starke Dunstbildung. Für gesunde Menschen ist er eine zuträgliche Speise. Auch für leicht Erkränkte schadet er nicht. Wer schwer leidend ist darf keinen Hafer genießen, weil er innere Wärme sucht…“.

Die für die Ernährung und Hausarznei gleich wertvolle Hafergrütze ist reich an Stärke, Eiweißstoffen und anorganischen Salzen. Nicht minder beliebt sind der Volksmedizin auch Abkochungen des Haferstrohes bei gichtisch-rheumatischen Krankheitszuständen.

 In Ph. sagt Hildegard von Bingen. vom Weizen folgendes: „Der Weizen ist warm und eine vollkommene Frucht, weil an ihm kein Fehl ist“.

Weizenmehl, bzw. Brot findet bei H. Verwendung zur Zubereitung von Teigen, Kuchen, dünnen Tränken, die bei den verschiedenartigsten Krankheiten teils per os, teils als Kataplasmen verordnet wurden. Neben seiner Bedeutung als Nahrungsmittel findet Amylum Tritici heute in der Medizin hauptsächlich Verwendung bei der Zubereitung von Pudern und Nährpräparaten, als Kleister zu Verbänden usw.

 Den Spelz empfiehlt Hildegard von bingen in Ph. folgendermaßen: „Der Dinkel ist ein ausgezeichnetes Korn, warm, fett, kräftig und milder als die übrigen Körnerfrüchte. Anwendung: Analog Triticum sativum.

 In Ph. schreibt Hildegard von Bingen „Vom Roggen“: „Der Roggen ist warm, doch kälter als der Weizen und hat viele Kräfte. Roggenbrot ist für Gesunde zuträglich, für Fettleibige besonders gut, weil er deren Fleisch mindert. Außerdem empfiehlt sie ihn zu Kataplasmen bei Drüsenleiden und Skabies. Roggenmehl zählt zu unseren Hauptnahrungsmitteln, Die Kleie dient als Viehfutter.

 PFLANZEN MIT UNGENÜGEND, ODER NICHT BEKANNTEN WIRKSTOFFEN.

In Ph. empfiehlt H. Zweige und Blätter des Ahorns gegen Wechselfieber, das Holz gegen Gicht und den Boden unter Ahornbäumen gegen Nasenleiden. In Cc. schreibt sie: „Hat das hitzige Fieber einen Menschen befallen, so soll er folgende Arznei zubereiten, dass er es etwas leichter und bis zum Ausbrechen des Schweißes weniger zu leiden habe, also: Er nehme etwas trockenes Ahornholz und zweimal soviel trockenes noch nicht grünes Weidenholz…“.

In Ph. und Cc. findet die Osterluzei hautsächlich bei Magenverstimmung Verwendung.

Die innerliche Anwendung der Pflanze in der Humanmedizin ist sehr in Misskredit gekommen, da die in der ganzen Pflanze vorhandene Aristolochiasäure ein ausgesprochenes Kapillargift darstellt das am Darm ähnliche Erscheinung wie Colchizin hervorruft. Die uralte empirische Anwendung der Osterluzei als Wundheilmittel allerdings ist durch die Ausführungen von Diehl und Moser (Mü. Med. Wochenschrift 1934/13) gerechtfertigt worden.

 Der Aaronstab wird in Ph. gegen Gicht, Magenleiden und Melancholie verordnet. Die Giftigkeit des Aaronstabes beruht auf einem chemisch unerforschten Stoff Aroin, oder Aroidin, der in allen teilen besonders reichlich in der Knolle vorkommt. Dieser Wirkstoff äußert sich in einer heftigen, örtlichen Reizung, nach seiner Resorption kommt es zu Erregungszuständen, dann zur Lähmung des Z.N.S.

 Hildegard von Bingen hält den Kohl nur für kräftige, nicht aber für fette, aufgeschwemmte Menschen als geeignetes Nahrungsmittel geeignet. Günstig beurteilt sie die Kohlrübe in ihren Auswirkungen auf Eingeweide und Lunge. Die Pflanze ist allgemein bekannt, da sie als Gemüse der menschlichen Nahrung dient. In der Volksheilkunde erfolgt die Verwendung meist bei verdorbenem Magen.

Die Hainbuche ist in ihren Auszügen bei Hildegard von Bingen ein Mittel gegen Frühgeburten. Blätterauszüge samt Zweigen im Bad helfen bei Geisteskrankheiten. Ein „spän“ des Hagenbuchenholzes auf die Haut gelegt, beseitigt „flecken“.

Ein Anteil des Buchenholzteeres ist das Kreosot. Es gehörte früher in allen Ländern zu den üblichen Tuberkulosemitteln. Die Wirkung ist unspezifisch. Es soll den Appetit anregen und die Sekretion begünstigen.

 In Ph. benützt Hildegard von Bingen die Blätter der Edelkastanie sowie Fruchtschalen und Samen gegen Gicht, Kopfweh, Herz-, Leber-, Milz- und Magenleiden.

Die Blätter finden heute nur mehr Verwendung zur Herstellung eines Fluidextraktes gegen Keuchhusten. Die Früchte werden in der Küche und geröstet als Obst verwendet. Sie enthalten bis zu 40% Stärke, Zucker und Eiweißstoffe. Fruchtschale und Rinde wirken adstringierend.

Die Kichererbse wird in Ph. gegen Fieber verwendet. Ist jedoch heute ohne medizinische Bedeutung.

Der Erlitzbaum dient in Rinde, Holz und Blättern im Bade gegen Gicht, die Frucht als Purgane (Ph.).

Kornelkirschen werden in der Medizin roh und gekocht verspeist als zusammenziehendes Mittel bei Durchfällen, Ruhr und chronischen Darmkatarrhen.

Senfkohl findet in Cc. Verwendung gegen Kolik.

Hildegard von Bingen kennt auch in Cc. eine Verwendung der Feigwurz gegen Fieber, während sie sonst wie der Name besagt, gegen Feigblättern Verwendung fand. Die Pflanze hat heute pharmakologisch keine Bedeutung mehr.

 Hildegard von Bingen warnt vor dem Genuss des Gartensalates ohne Zusatz von Beizmitteln, wie Essig, Dill u.s..  So zubereiteter Salat übe auf das menschliche Gehirn eine kräftigende Wirkung aus. Außerdem rühmt sie den Salat als schmerzstillendes Mittel bei Kieferanschwellungen.

 Die weiße Lilie findet bei Hildegard von Bingen in Cc. bei der Beschreibung einer Hautkrankheit (Lues?) Erwähnung. „Wenn der Ausschlag, der Rose genannt wird, beim Menschen sich mit einer Geschwulst ausgebildet hat soll er…

…darauf nehme er Liliensaft und reibe mit ihm die Haut gründlich ein, weil dieser Saft den Schmerz vertreibt und Heilung bringt.“ Nach H. Schulz werden die Zwiebel der weißen Lilie Heilkräfte bei mangelhafter Periode, Hautkrankheiten, entzündlichen Erkrankungen der Brust-u. Bauchorgane nachgesagt, Es wäre nach ihm wünschenswert der behaupteten Heilwirkung den Lilienöls bei Wunden und Verbrennungen nachzugehen.

 Die Mispel wird in Ph. gegen Wechselfieber verwendet. Die heutige Verwendung der Früchte erfolgt meist in Form eines diatetischen Getränks.

 In Ph. rühmt Hildegard von Bingen die Blätter des Apfelbaums als Mittel „Gegen Verdunklung der Augen“, die Pfropfreiser gegen Gicht, Knospen gegen Leber-, Milz-, Magen-u. Darmleiden, sowie Migräne. Den Boden unter Apfelbäumen gegen Rücken-Lenden-u. Bauchschmerzen. „Die Frucht dieses Baumes ist leicht und gut verdaulich. Gesunde Menschen können sie ungekocht ohne Schaden essen. Dagegen schädigen rohe Äpfel kranke Menschen etwas, weil sie schwächlich sind. Werden sie alt und schrumpfen sie ein, wie es im Winter der Fall ist, dann dürfen sie Gesunde und Kranke verzehren.

Neuere klinische Beobachtungen haben ergeben, dass der Apfel nicht nur zur Bekämpfung chronischer Stuhlverhaltung, sondern in scheinbarem Widerspruch damit auch zur Behebung akuter Darmkatarrhe, (besonders in der Kinderpraxis) mit Vorteil zu verwenden ist.

 Nach Flamm und Eckstein ist der Apfelgenuss vor allem bei Gicht, Rheuma und Ateriosklerose zu empfehlen. An der Wirkung scheinen in erster Linie die in reichen Mengen vorhandenen organischen Pflanzensäuren und ein hoher Prozentsatz Basen beteiligt zu sein.

Die Erbsen dienen in Ph. und Cc. hauptsächlich in Form von Kataplasmen gegen „Phlegma“.

Anwendung: Abgesehen von ihrer Verwendung als Nahrungsmittel werden die Samen bzw. ihr Mehl pharmazeutisch als Nährmittel gebraucht.

 Flohkraut wird von Hildegard von Bingen gegen Gicht empfohlen. Die Pflanze steht verwandtschaftlich dem Wasserpfeffer Polygonum hydropiper L. nahe, für dessen Anwendungsbereich von Dragendorff u.a. genannt wird. Gelbsucht, Ascites, Nieren-u. Steinbeschwerden, Gicht, Rheuma und schlecht heilende Wunden. Zu erwähnen ist vielleicht noch die stark haemostypische Wirkung. Der von Kroeber hergestellte Wasserpfefferfluidextrakt hat sich unter Prof. Kerschensteiner als zuverlässiges Mittel bei Menorrhagien bewährt.

In Ph. wie in Cc. wird das Lungenkraut gegen „Lungenschmerz“ verordnet. Ferner gegen Gicht, Magenleiden und Krebs.

Die Bestandteile des Lungenkrautes sind hauptsächlich anorganischer Natur (K, Ca, Si), die dem Kraut zugeschriebene Wirkung beruht wohl im wesentlichen, wenn sie sich überhaupt bewahrheiten sollte, auf dem Kieselsäuregehalt. Die Kieselsäure soll vor allem bei Lungen-Tbc. die bindegewebige Induration anregen. Diese Auffassung wird aber von vielen Autoren abgelehnt.

 Der Sauerampfer ist nach Hildegard von Bingen für den Menschen ein „ungeeignetes, Traurigkeit hervorrufendes Nahrungsmittel“.

An chemischen Inhaltsstoffen kommt für das Kraut des Sauerampfers in erster Linie primäres Kaliumoxalat, neben freier Oxalsäure etwas Zucker und Fett in Betracht. Nach heutiger Anschauung soll länger fortgesetzter Genuss des Sauerampfers einen günstigen Einfluss auf die Verdauungs-und Ausscheidungsorgane ausüben.

 Hildegard von Bingen erwähnt den Steinbrech in ihren therapeutischen Anweisungen bei den Abhandlungen „Vom Stein“ und „Von der Gelbsucht“ in Cc. Bestandteile unbekannt. Anwendung in der wissenschaftlichen wie Volksmedizin nicht mehr gebräuchlich.

Hildegard von Bingen verwendet die Hauswurz in Cc. gegen Lähmung, Dysenterie und als Aphrodisiacum.

Bestandteile: Außer freier Apfelsäure und Ca-Oxalat unbekannt. Ihr Anwendungsgebiet in der Volksmedizin ist sehr ausgesehnt und deckt sich vielfach mit der medizinischen Denkweise der Alten. Sie gilt als harn-u. wurmtreibend, adstringierend, spasmolytisch, stoffwechselsteigernd und blutstillend.

Der Beinwell ist ein seit der Antike bekanntes Wundheilmittel. Hildegard von Bingen verwendet ihn in der Abhandlung „Vom Riss des Bauchfells“. Bestandteile: Die Droge soll angeblich ein Alkaloid Symphytocynoglossin, ein Alkaloid Consoldin, ferner Allantcin und Gerbstoff enthalten. Solange nicht eine eingehende pharmazeutisch-chemische Untersuchung der einzelnen Teile stattgefunden hat, muss man bei der Beurteilung der Pflanze, von der Gesamtwirkung der Droge ausgehen.

In Betracht kommt das auch nachweislich festgestellte Cholin und Allantoin. Demgemäß wäre die Wirkung eine vagotrope und würde die Assimilation fördern und den Ausgleich der Gewebsschäden beschleunigen. 

Hildegard von Bingen schreibt in Ph. „Von der Brennnessel“:

„Gekocht aber ist sie als menschliche Speise wohl brauchbar, weil sie den Magen reinigt und ihn von Schleim frei macht“. Außerdem findet die Brennnessel Erwähnung in Cc. bei den Abhandlungen „Vom Lungenschmerz“, „Von der Vergesslichkeit“, „Von den Spülwürmern“, als Kompositum.

Bestandteile unbekannt. In der Volksheilkunde hat sich der auch von Hildegard von Bingen angegebene Gebrauch als Magenmittel und Purgans erhalten.

 Ackergauchheil.

Bei Hildegard von Bingen soll die Pflanze gegen innere Wunden wirksam sein. Die Pflanze ist nicht mehr in Gebrauch, da sie in großen Gaben schädlich, ja sogar giftig wirkt.

Nach der Meinung der Hildegard von Bingen ist die Betonie eine Zauberpflanze ersten Ranges. „Sie hat mehr Beziehungen zur menschlichen Wissenschaft als andere Kräuter. Und wie die reinlichen Haustiere sich viel besser mit den Menschen verstehen als die wilden Tiere, so beschattet sie auch bisweilen die Falschheit des Teufels wie auch andere Pflanzen, weil er schon mit dem Tau kommt und deshalb alle Kräfte der Kräuter kennt“. In Cc. kommt sie mit anderen Pflanzen bei zu starkem Monatsfluss und bei Wassersucht zur Anwendung.

Die Droge wurde früher in der Medizin bei Erkrankungen der Atemwege, Balsen-u. Nierenleiden und Menstruationsbeschwerden verwendet. Heute ist sie obsolet.

In Cc. findet die Haselnuss Anwendung in ihren Blütenkätzchen „Bei Unfruchtbarkeit des Mannes“, außerdem noch gegen Skrofeln (Ph.). Heutige Verwendung unbekannt.

In Ph. findet der Augentrost gegen innerliche Geschwüre, Wunden und Blattern Verwendung.

Wissenschaftliche Grundlagen über die pharmakologischen Eigenschaften von Euphrasia fehlen bisher. In der Medizin findet man häufig innerliche Darreichung bei Entzündungen auf skrofulöser Grundlage.

„Wegerich“ (Spitzwegerich) war im frühen Mittelalter ein Allheilmittel.

Ph. bringt zu den vielen Verwendungen den Wegerich noch als Schutzmittel gegen Spinnen und andere Würmer. Der Stich dieser Tiere soll mit dem Saft von Wegerichwurzeln eingesalbt werden. Auch Knochenbrüche können durch Genuss eines Kompositums in das u.a. auch Wegerichwurzeln kommen, rascherer Heilung zugeführt werden. Geisteskrankheiten und „Leberverhärtung“ werden durch ähnlich zusammengesetzte Medikamente behoben.

H. Schulz, K. Kahnt und W. Bohm treten als ärztliche Autoren für die Anwendung der Droge bei chronischen Katarrhen der Lunge, der Harnwege und des Magen-Darmtraktes ein. im ganzen sind jedoch die pharmakologischen Eigenschaften der Pflanze noch nicht aufgeklärt.

 Ph. nennt den Täpfelfarn als Mittel gegen Darmkrankheiten. In Cc. erscheint er in den Abhandlungen „Von der Reinigung von Speichel und Schleim“ in Verbindung mit Agrimonia Eupatoria, „Von der Krätze“ mit Anthriscus cerefolium und „Für das dreitägige Fieber“ im Zusammenhang mit Achillen nillefolium. In der Volksmedizin findet er vorwiegend Verwendung in Form des Tees bei Erkrankungen des Respirationstraktus.

 Die Hirschzunge dient nach Hildegard von Bingen gegen Lungen-u. Leberleiden, ebenso gegen Kopf-u. Brustweh. Heutige Anwendung unbekannt.

Der Weinstock dient bei Hildegard von Bingen auf mannigfache Weise der Medizin. „Die Tränen die beim Schneiden der Reben fließen, heilen die Augentrübung, Ohrn-u. Kopfweh“. Gegen Husten, Brust-u. Magenschmerzen helfen die Sprossspitzen zur Zeit der Blütenentwicklung. Auflegen von Weinblättern beseitigt die Trunkenheit. Warme Asche des Weinstockholzes hilft gegen Steinleiden. H. rühmt die Wirkung des Weines gegen psychische Depressionen. Außerdem findet er Verwendung als Lösungsmittel für andere Stoffe, gegen innere Geschwüre, mit Öl zusammen zur Behandlung von Wunden und gegen Inkontinenz.

Anwendung: Die Blätter werden selten als Volksmittel verwendet, am ehesten noch zu Kräuterkuren.

 

LITERATURNACHWEIS.

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                                                           Band 1 und 2 Stuttgart – Leipzig 1934/35.

Kroeber L.,                                  Das neuzeitliche Kräuterbuch

                                                           Band 3 Giftpflanzen. Stuttgart 1938.

Lejeune F.,                                   Leitfaden zur Geschichte der Medizin.

                                                           Leipzig 1943.

Madaus Gerh.,                          Lehrbuch der biolog. Heilmittel, Abt.Heilpflanzen,

                                                           Abt. Heilpflanzen, Band 1, 2, 3.

                                                           Leipzig 1938.

Marzell H.,                                   Alte Heilkräuter, Jena 1926.

Migne,                                             Hildegardis s. Patrol, curs. compl.

Möbius, M.                                    Geschichte der Botanik. Von den ersten

                                                           Anfängen bis zur Gegenwart.

                                                           Jena: Fischer 1937.

Müller M.,                                     Weg der Heilkunst, 2. Auflage,

                                                           München 1948.

Schönfeld W.,                             Frauen in der abendländischen Heilkunde vom klass. Altertum

                                                            bis zum Ausgang    des 19. Jahrhundert,  Stuttgart 1947.

 

Schulz H.,                                          Hildegardis Sanctae, Causae et curae

                                                           Ursachen und Behandlung der Krankheiten,

                                                           München 1933.

Thomas H.,                                      Handbuch der praktischen und wissenschaftlichen

                                                           Pharmazie.

                                                           Band 5 erste Hälfte, Botanik-u. Drogenkunde

                                                           Band 5 zweite Hälfte, Botanik-u. Drogenkunde

                                                           Berlin und Wien 1929.

Tuchel Erich,                                    Grundriß der Pharmakologie, Texikologie

                                                           und Arzneiverordnungslehre,

                                                           München 1947.

 

Lebenslauf.

  

Ich, Alfred P f ä f f l, bin am 18.12.1921 zu München als Sohn des

Eisenbahnobersekretärs Matthias Pfäffl und seiner Ehefrau Elisabeth Pfäffl geboren.

In den Jahren 1928 – 1932 besuchte ich in München die Volksschule an der

Fürstenriederstraße. 1932 trat ich an das hum. Progymnasium der Benediktinerabtei in

Scheyern über. Von 1938 – 39 besuchte ich das hum. Gymnasium in Freising und ab

September 1939 das Theresiengymnasium in München, wo ich im März 1940 die

Reifeprüfung ablegte. Anschließend war ich bis September 1940 beim damaligen

Reichsarbeitsdienst. Nach meiner Entlassung belegte ich an der Universität München

an der staatswissenschaftlichen Fakultät die Fachrichtung Volkswirtschaft. Im Februar

1941 wurde ich dann zur Deutschen Wehrmacht einberufen. Im August 1945 kehrte ich aus der Gefangenschaft zurück und begann 1946 an der Universität München das Studium der Medizin. Im Dezember 1947 legte ich mit Erfolg die ärztliche Vorprüfung, 1950 das medizinische Staatsexamen ab.

Quellenangabe:

Inaugural – Disseration zur Erlangung der Doktorwürde in der gesamten Medizin der Hohen Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München vorgelegt

Die  PHARMAZEUTISCHE   BOTANIK  der   heiligen HILDEGARD   VON   BINGEN

Alfred Pfäffl

 Aus dem Institut für Geschichte der Medizin der Universität München

 Vorstand: Prof. Dr. Martin Müller

 Vorgelegt von cand. med. Alfred Pfäffl aus München 1951

Referent: Prof. Dr. M. Müller

Dekan: Prof. Dr. W. Laves

Tag der mündlichen Prüfung: 28.2.1951