Berg- & Expeditionsaugenheilkunde

https://www.youtube.com/watch?v=r9RnJ7OERsM

„In eisige Höhen“ von John Krakauer

….Gegen 16 Uhr 45, als ich den Balkon erreichte –dem mit 8400 Metern höchsten Punkt des Südostgrats, auf dem ich mit Ang Dorje den Sonnenaufgang betrachtet hatte – bekam ich zunächst einmal einen Schreck, den ich stieß auf Beck Weathers, der zitternd und total verloren im Schnee dastand. Ich war davon ausgegangen, dass er bereits vor Stunden nach Camp Vier hinabgestiegen sei. „Beck!“ rief ich. „Was zum Teufel machst du denn noch hier oben?“

       Beck hatte sich vor ein paar Jahren einer Radialen Keratektomie unterzogen. Ein Nebeneffekt des Eingriffes, wie er gleich zu Beginn der Everest-Besteigung entdecken musste, war, dass der in großen Höhenlagen herrschende niedrige  Luftdruck ihn fast blind machte. Je höher er kletterte, desto niedriger die Luftdruckverhältnisse und desto weniger konnte er sehen.

       Später gestand er mir, dass, als er man Nachmittag zuvor von Camp Drei auf Camp Vier stieg, „meine Sehkraft so eingeschränkt war, dass ich gerade noch einen Meter weit sehen konnte. Ich habe mich also an die Fersen von John Taske gehängt, und wenn er den Fuß gehoben hat, dann habe ich meinen genau in seinen Abdruck gesetzt“  

       Bob hatte bereits vorher ganz offen von seinen Augenproblemen gesprochen, aber mit dem Gipfel in greifbarer Nähe war er verständlicherweise nicht allzu scharf darauf, Rob oder auch die anderen wissen zu lassen, dass es damit immer schlimmer wurde. Ungeachtet seiner schlechten Augen war er in guter Kletterform und fühlte sich so stark wie noch nie während der Expedition, und, wie er erklärte: „Ich wollte nicht vorzeitig abspringen.“

       Als er oberhalb des Südsattels durch die nächtliche Dunkelheit kletterte, hatte Beck, um mit der Gruppe Schritt zu halten zu können, die gleiche Strategie angewandt wie am Nachmittag zuvor – in die Fußabdrücke des Ketterers vor ihm zu treten. Als er jedoch den Balkon erreichte und die Sonne aufging, merkte er, daß sein Augenlicht ihn rapide verließ. Darüber hinaus hatte er sich versehentlich Eiskristalle in die Augen gerieben und sich an beiden Hornhäuten verletzt.

       „Als das dann auch noch passiert ist“, erzählt Beck, „war ein Auge total verschwommen. Und da ich ja mit dem anderen ohnehin kaum sehen konnte, habe ich praktisch null Tiefenwahrnehmung gehabt. Mir ist klargeworden, dass ich, wenn ich in diesem Zustand weiterklettere, nur noch eine Gefahr für mich selbst bin oder einem anderen eine Last. Also habe er Rob gesagt, was los ist.“

       „Tut mir leid Kumpel“, beschied Rob im prompt, „du gehst nach unten. Ich wird dir ein paar Sherpas mitschicken.“ Aber Beck sträubte sich noch, seine Hoffnungen auf den Gipfel…

(Zitat Jon Krakauer „in eisige Höhen“ S.243ff ISBN 3-89029-110-4 Piper Verlag 1998)

 Den Rest der spannenden Geschichte vom todgeglaubten Beck Weathers, der sein Leben wegen schlechtem Sehens am Berg nach einer Nacht im Schneesturm auf über 8000m Höhe und seiner unglaublichen Rettung als einer der wenigen der Rob Hall-Expedition vom 10.Mai 1996 rettete, empfehlen wir in Jon Krakauer´s Roman selbst nachzulesen.

 

 Schlecht sehen am Berg in Schnee und Eis, in extremer Höhe und unter körperlicher Belastung am Limit kann schnell in ein Desaster ausarten. Das wissen wir nicht erst seit John Krakauer’s berühmtem Roman „into thin Air“, die empfohlene Basisliteratur für jeden Extrembergsteiger und nicht nur für denjenigen, der den Mt.Everest auf dem Plan hat.

Brille und Kontaktlinse ist eine gute Alternative, dann aber am besten in mehrfacher Ausführung,  da Optikerläden in abgelegenen Bergregionen üblicherweise selten sind und Naturvölker nachgewiesener Maßen bessere Fernsicht-Sehschärfe besitzen als jene, die vom Computerarbeitsplatz aus aufbrechen.

 

Eine Expedition in die eisigen Höhen will gut vorbereitet sein. Die Kosten für Ausrüstungsgegenstände,  Anreise, Träger und Unterkunft summieren sich dabei schnell auf einen mehrstelligen Betrag. Was liegt näher, als auch die ca. 5500€ für eine hochklassige Augenlaser-Operation ins Budget als keinen Nebenposten mit aufzunehmen.

 In John Krakauer’s Roman wird auch das Schicksal der Pathologen Dr. Beck Weathers geschildert, der sich in Vorbereitung seines Mt.Everest Traums von seiner Fehlsichtigkeit mittels refraktiver Augenoperation entschieden hatte. Er hatte sich einer radialen Keratektomie (in Deutschland auch bekannt unter „russische Augenoperation nach Fjodorow“) unterzogen, einer Augenoperation bei der durch Schnitte an der Hornhautoberfläche die Hornhautkrümmung verändert wird. Interessierte Bergsteiger haben das Drama am Mt.Everest im Mai 1996 verfolgt, das Dr.Weathers, der eine Nacht im Freiem auf über 8000m im Schneesturm mit schweren Erfrierungen überlebte, weil er seinen Gipfelanstieg wegen schlechtem Sehens hatte abbrechen müssen. In augenärztlichen Fachkreisen ist er über seine Rolle als Teilnehmer jener denkwürdigen Expedition weltweit bekannt geworden.

Unter Augenärzten ist man sich einig, dass die Sehschwankungen in extremen Höhen eher durch den verminderten Sauerstoffgehalt der Höhenluft als durch den verringerten Luftdruck bedingt ist. Die Hornhaut „atmet“ von außen durch den Sauerstoff im Tränenfilm, der von der Umgebungsluft abhängt. Deshalb ist es verständlich, dass auch die Benützung eines Sauerstoffgerätes nicht vor Sauerstoffunterversorgung der Hornhaut schützt, da die Hornhaut ihren Sauerstoffbedarf aus der Umgebungsluft deckt. Allenfalls können damit Schäden am Sehnerv und andere Effekte einer Sehverschlechterung, wie das Auftreten von Gesichtsfeldausfällen durch Sauerstoffunterversorgung des Gehirns oder durch hypoxische Netzhautblutungen verhindert werden.

Die Brechkraftschwankungen die Dr. Weathers am Mt.Everest nach einer Radialen Keratektomie (RK) erlebte, tauchten bereits 1996 in der Fachliteratur auf (Mader et al. 1996). Die im Roman von Jon Krakauer berichtete Symptome der akuten Sehverschlechterung des Dr. Weathers erklären sich nicht durch die möglicherweise in die Augen geriebenen Eiskristalle. Sicherlich mag er das Gefühl einer Augenverletzung gehabt haben. Die wissenschaftliche Erklärung kann aber eine ganz andere sein. Unter Sauerstoffentzug allein, egal ob durch Höhenbergsteigen oder Dauertragen von Kontaktlinsen, kann sich eine Verdickung der Hornhaut (Hornhaut-Ödem) einstellen. Dies führt zu einer Verstärkten Krümmung der Hornhaut mit der Folge, dass man Weitsichtiger wird. Auch berichten kurzsichtige Höhenbergsteiger, dass das Sehen mit zunehmenden Höhen immer besser wurde, während leicht Weitsichtige, insbesondere, wenn sie keine Brille tragen, in diesen Höhen plötzlich immer schlechter sehen und vor allem unter einer zunehmenden Abnahme der Nahsehschärfe leiden (Alterssichtigkeit). 

 Nachdem die Radiale Keratektomie mehr oder weniger verlassen wurde ist die Korrektur der Fehlsichtigkeit mit dem Excimer-Laser in den Mittelpunkt des Interesses fehlsichtiger Bergsteiger gerückt, die sich auf eine Expedition in extreme Höhe vorbereiten.

Die häufigste durchgeführte Augen-Operation zur Beseitigung der Fehlsichtigkeit ist die LASIK-Operation, weshalb Studien an Extrembergsteigern, die sich einer LASIK-Operation unterzogen haben, besonderes Interesse verdienen. In einer Studie aus dem Jahre 2003 untersuchte Tabin et al. die Sehschärfe von 12 LASIK-Augen bei 6 Mt.Everest-Bergsteigern. Drei der Bergsteiger bemerkten keinerlei Probleme und perfektes Sehen auf dem Gipfel des Mt.Everest. Ein Mt-Everest-Bezwinger berichtete von leichtes Unscharfsehen oberhalb von 5300m welches sich besserte nach Höhenanpassung, während 2 weitere deutliches unscharf Sehen auf dem Gipfel bemerkten, welches sich beim Abstieg spontan normalisierte. Jenseits von 7900m sollten sich also operierte Bergsteiger auf Schwankungen in der Sehschärfe einstellen, zumal sich auch Normalsichtige in diesen Höhen mit Veränderungen ihres normalen Sehen konfrontiert sehen. Durch die mangelnden Untersuchungsmöglichkeiten in diesen extremen Bedingungen lässt sich keine exakte Linie ziehen zwischen den Sehproblemen wie Augentrockenheit, die auch Normalsichtige in extremer Höhe erfahren und solchen, die typisch sind für Bergsteiger mit LASIK-Operation. Die Ergebnisse der Studie suggerieren eine leichte Tendenz zur Kurzsichtigkeit in extremer Höhe. Dennoch ziehen die Autoren den Schluss, dass die LASIK-Operation eine gute Option für Extrembergsteiger darstellt. Das Phänomen trockener Augen mag in extremer Höhe mit bekannter niedriger Umgebungsfeuchtigkeit auftreten, aber Bergsteiger, die die 7900m-Marke nicht überschreiten sollten nach LASIK-Operation keinen signifikanten Trend zu wiederauftretender Kurzsichtigkeit bemerken.

Wichtig für unsere SBK-LASIK-Patienten

In der Kenntnis dieser Zusammenhänge hat sogar die NASA im Herbst 2007 die vormals rigorosen Standards für Astronauten gelockert und die Sub-Bowman´s-Keratomileusis (SBK-LASIK) für den Aufenthalt im Weltall zugelassen.

 

 Literatur:

 Mader TH, Blanton CL, Gilbert BN, Kubis KC, Schallhorn SC, White LJ, Parmley VC, Ng JD. Refractive changes during 72-hour exposure to high altitude after refractive surgery.Ophthalmology 1996; 103:1188-1195

Dimmig JWTabin G. The ascent of Mount Everest following laser in situ keratomileusis. J Refract Surg. 2003 Jan-Feb;19(1):48-51.

Kohnen Th. Effects of refractive surgery in extreme altitude or space. (Editorial) J Cataract Refract Surg 2012; 38:1309-1315

 

Im Folgenden Lesen sie einen Erfahrungsbericht des professionellen Berführers Christoph Gotschke aus Füssen:

Ab jetzt mit vollem Durchblick!

Ich bin Berufs-Bergführer, leidenschaftlicher Kletterer und Betreiber einer Kletterhalle. Damit dreht sich mein Alltag um Bergsport und ich tue das was die meisten gelegentlich oder Hobby-mäßig betreiben, so gut wie jeden Tag. Über den Winter sind es viele, viele Skitouren- und Eisklettertage oder Ausbildungs- und Trainingseinheiten, im Sommer reihen sich Sportklettern, Alpinklettern und Hochtouren nahtlos aneinander. Und damit es ja nicht langweilig wird werden noch Kletterhallenrouten geschraubt, Montagen und Wartungen durchgeführt und zu guter Letzt noch neue Routen am Fels erschlossen und geklettert.

Ich liebe dieses Leben, von einem Bürojob habe ich mich erfolgreich und so weit wie möglich ferngehalten, jeden Tag mittendrin statt nur dabei!

Natürlich bringt dieser Lebensstil auch jeden Tag Schweiß, Staub, Schmutz, Dämmerlicht, Regen, Nebel, Frost, etc. mit sich.

Und das (bis gestern!) mit Brille oder eben Kontaktlinsen. Irgendwie hatte ich mich, seit in der siebten Schulklasse die Sehhilfe für mich nötig wurde, damit abgefunden und arrangiert.

Aber irgendwie war es auch etwas, das mich Tag für Tag gestört hat, mal mehr, mal weniger.

Beschlagene oder verstaubte Brillengläser, vereistes Kontaktlinsen-Pflegemittel, verlorene und verrutschte Kontaktlinsen oder sündhaft teure Sonnenbrillen mit Schliff oder Einsatz, die Liste der Kompromisse ist lang aber lange Zeit war das eben einfach so.

Bereits vor zehn Jahren hatte ich mich über die Möglichkeit einer Augenkorrektur mit Laserbehandlung informiert, aber damals änderte sich meine Stärke noch ein wenig, die Behandlungsmethoden hörten sich, im Vergleich zu heute, noch etwas rustikal an und ich war ja auch gerade Anfang zwanzig.

Über die Jahre unterhielt ich mich aber immer mal wieder mit Patienten und Ärzten und informierte mich über die Fortschritte der Behandlungstechniken.

Jetzt, im Herbst 2013 kamen mehrere Dinge zusammen. Eine neue Brille wäre nötig geworden, wieder rund tausend Euro für eine ungeliebte Sache. Ein „Beinahe-Unfall“ durch eine beschlagene und vollgetropfte Brille. Mein kleiner Sohn war nun alt genug um mir wirklich täglich mit Freude im Spiel die Brille vom Gesicht zu reißen und zu guter Letzt und ganz ehrlich: ein sehr gutes Geschäftsjahr hatte die geheime Spardose für diesen Zweck vervollständigt.

Am Ende lief dann alles recht zügig:

Eine Bekannte empfahl mir wärmstens das AugenVersorgungsZentrum und Dr. Wolfgang Pfäffl, was die Orientierung im Google-Dschungel doch deutlich erleichterte.

Ein sehr ausführliches und gutes Beratungsgespräch überzeugte mich restlos in der Entscheidung, die momentan bestmögliche Behandlungsmethode zu wählen.

Und schon eine Woche später war dann der große Tag, es war wirklich noch ein Termin frei, so konnte ich mir erstens mein schönstes Weihnachtsgeschenk machen und zweitens werde ich gleich die komplette anstehende Wintersaison 13/14 „ohne“ angehen.

Offen gestanden war ich in der Woche zwischen dem letzten Beratungstermin und dem Behandlungstag aufgeregt wie selten zuvor, allerdings keine negative Aufregung, sondern eher eine Mischung aus Vorfreude, Ungeduld und Anspannung. Wie vor einer lang ersehnten anspruchsvollen Tour eben.

Am Behandlungstag selber ging`s dann zum Glück absolut zügig und reibungslos. Ehrlich gesagt gibt es zwar angenehmere Situationen wie unter dem Laser zu liegen, aber das Team um Herrn Pfäffl, die ruhige, konzentrierte Routine und Professionalität und natürlich die Schnelligkeit der Behandlung ließen keinen großen Stress entstehen.

Und der absolute Hammer kam ja direkt im Anschluss, kaum war ich aufgestanden, konnte ich den Umständen entsprechend sehr gut sehen. Natürlich war ein vollkommen normaler leichter Nebel und leichte Irritationen vorhanden aber ansonsten konnte ich ohne Schwierigkeiten sehen und das keine Minute nach dem Laser-Eingriff!

Noch während der Heimreise und am Abend wurde es stündlich immer noch besser und jetzt, am nächsten Morgen, ich fahre gleich (selbst und ohne Brille) zur ersten Nachuntersuchung, bin ich beschwerdefrei. Bei mir sind, vermutlich durch die absolut perfekte Behandlung, Reizungen und sonstige Komplikationen ausgeblieben, lediglich um Leuchtquellen sehe ich noch einen kleinen Schimmer.

Ein Nicht-Brillenträger kann sich die Erleichterung und Freude gar nicht vorstellen, die ich momentan spüre. Und ein bisschen „das gibt’s doch gar nicht“ ist auch noch dabei.Ich werde gleich heute Nachmittag mal intensiv testen, wie es denn so beim Klettern ist…. .

….Zwei Wochen später, Anfang Januar

Normalerweise gewöhnt der Mensch sich ja recht schnell an Neues und was gestern noch ganz besonders war ist heute schon selbstverständlich. In diesem Fall ist es -zum Glück- nicht so. Noch immer geht morgens der erste Handgriff zum Nachttisch und sucht die Brille. Beim Rucksackpacken will man kaum glauben, dass einfach keine Hilfsmittel gebraucht werden. Und beim Outdoor-Sport, sei es Trail-Läufe, Skitouren oder Felsklettern, ist die neue Lebensqualität einfach zu eindrücklich um selbstverständlich zu sein. Auch keinesfalls selbstverständlich war die erstklassige und professionelle Betreuung und Beratung, die ich bei Dr. Pfäffl genießen durfte, vielen Dank nochmal an dieser Stelle!Ich wünsche allen ein Gutes Neues 2014 und immer guten Durchblick!!! 

Euer Christoph Gotschke