Werdegang durch die Medizin hin zum refraktiven Augenlaser-Spezialisten

Vorgeschichte

Mein Weg zur Augenheilkunde war immer getragen von Neugier („rerum novarum cupido“) und wissenschaftlicher Ambition.

Dieser Weg zum Augenarzt war für mich nur mit Umwegen möglich, denn es gab damals mehr Bewerber als Ausbildungsstellen zum Augenarzt.

Zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz in der Augenheilkunde ergab sich für mich die Gelegenheit eines „postDoc“ Stipendium bei der Deutschen Forschungsbemeinschaft. Ich wurde hierfür von meinem Abteilungsleiter der Nephrologie an der I.Med.Klinik Grosshadern/München  Prof.Dr.Gurland an die University of California San Francisco (UCSF) vermittelt. Hier lernte ich unter Anleitung von Dobri Kiprov MD die Werkzeuge zum wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Immunologie und das Verfassen wissenschaftlich fundierter Publikationen. Bedingt durch die damals sich explosionsartig ausbreitende HIV-Infektion waren naturgemäß die meisten Patienten unserer Abteilung in ihrer Immunabwehr geschwächte AIDS-Patienten. Ein spezieller Höhenpunkt meiner Forschungsarbeiten in San Francisco war der Fluoreszenz-mikroskopische Nachweis von autoimmunologischen Antikörpern gegen peripheres Nervengewebe, das die bei AIDS-Patienten immer häufiger auftretenden Neuropathien mit Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühl oder gar Lähmung erklären konnten, die der mit uns kooperierende Neurologe Bob Miller MD unserem Labor zuführte.

In San Francisco begegnete ich auch dem Augenlaser-Pionier Dr. Theo Seiler, der damals erstmals den Einsatz des Excimer-Laser an der Hornhaut auf einer internationale Konferenz vorstellte, ohne dass mir bewusst war, welche Konsequenzen sich aus dieser Begegnung für mein späteres Leben als Augenlaserarzt ergeben würden. Uns verbindet seitdem eine lebenslange Freundschaft.

Zurückgekehrt nach München setzte ich meine Ausbildung als Assistent bei Prof.Dr.G.Riecker an der I.Med.Klinik Grosshadern/München fort und widmete mich der Ausbildung zum Internisten.

Endlich, 1998 wurde meine Bewerbung zur Facharztausbildung in der Augenheilkunde von Prof.Dr.J-H.Greite aufgegriffen, der in München-Harlaching durch die innovative Einpflanzungstechnik (Kapsulorhexis) einen neuen Brennpunkt refraktiv wirksamer Augenoperationen schuf. Prof. Greite war auch für die Augenabteilung des Krankenhaus Schwabing der Stadt München zuständig, welche damals in München durch die HIV-Ambulanz von Dr. Hans Jäger eine Haupt-Anlaufstelle für AIDS-Kranke war. Herrn Prof.Greite verdanke ich großzügige Förderung im Fach Augenheilkunde. Während dieser Zeit entstanden zusammen mit Dr. E.-M. Fabricius international anerkannte Erstpublikationen zu HIV-bedingten Folgeerkrankungen am Auge wie akute Erblindung durch Herpes-Viren oder immunologisch vermittelte Augenmuskelentzündungen. Nach meiner Facharztausbildung wechselte ich wieder zurück an die Augenklinik der Ludwigs-Maximilian-Universität München in die Abteilung von Prof. K.-P. Boergen, einem der damals bekanntesten Strabologen, der mir die Grundlagen des beidäugigen (binocularen) Sehen erschloss, ein Wissen welches mir später die klinische Anwendung der Monovision zur Besserung der Alterssichtigkeit mit dem Excimer-Laser ermöglichte.

Pionier-Jahre

Bei der Eröffnung meiner Augenarztpraxis in Weilheim 1993 ergab sich zeitgleich die Zulassung der ersten Excimer-Laser in Deutschland zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Inspiriert durch Excimer-Laserbehandlung die ich in Kooperation mit Dr. Miro Stambuk/Blaubeuern durchführte,  gelang es in München eine Gruppe von Augenärzten zusammenzuführen, die die sog. „VisuMed AG“ (jetzt übernommen von „Optical Express“) gründeten. Der boomende Bedarf nach Korrektur der Fehlsichtigkeit mit dem Excimer-Laser führte zu einem schnellen Aufschwung in dieser neuen Fachrichtung der Augenheilkunde. Die erste routinemäßig durchgeführte Excimer-Laser-Operation war die PhotoRefraktiveKeratektomie (PRK). Hier wurde ein berechnetes Kontaktlinsen-Profil mit Hilfe des Excimer-Lasers direkt auf die Hornhaut übertragen. Trotz einer Schmerzphase von mindestens drei Tagen und eines verzögerte Anstiegs der Sehschärfe war es das damals das einzige verfügbare Verfahren zur Beseitigung von Brille oder Kontaktlinse. Das Verfahren war damals sehr umstritten bei konservativ orientierten Augenärzten, da es sich um eine möglicherweise gefährliche Operation  an des Menschens wichtigstem Sinnesorgan handelte. Auch viele Universitäten verhielten sich äußerst reserviert mit Empfehlungen und berichteten auf Augenarztkongressen bevorzugt über schwerwiegende Konsequenzen der Operation wie Hornhaut-Trübungen, verschlechtertes Nachsehen oder Verlust des bestkorrigierten Sehens.

1995 sorgte eine neue Operations-Variante für Aufsehen unter den Augenlaser-Ärzten: die Keratom-LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis). Diese Operation wurde mit dem von Dr.Luis Ruiz in Kolumbien entwickelten automatisierten Hornhaut-Schnittmesser durchgeführt (ALK/automated lammelar Keratom der Fa.Chiron). Inspiriert durch Prof. M.Knorz/Mannheim, bei dem ich erstmals den Einsatz des Keratoms „live“ gesehen hatten stellte auch ich meine Operationstechnik um. Wie ich erst Jahre später von der Fa. Chiron erfuhr führte ich im Mai 1995 die erste Keratom-LASIK in Bayern durch, ohne dass ich mir dieser Tatsache bewusst war, denn der Verkauf des Keratoms gestaltete sich für Chiron anfangs schleppend, da der Markt der refraktiven Medizin bereits durch die erfolgreiche und kostengünstigere PRK besetzt war.  Jeder Operateur, der sich nun an diese LASIK-Operations-Technik mutig herantraute wurde großzügig unterstützt, um die Methode publik zu machen. Der Siegeszug der Keratom-LASIK war nicht aufzuhalten, da nun eine Operations-Methode zur Verfügung stand, die wesentlich schmerzfreier ablief und für schnelles wieder scharf Sehen sorgte. Allerdings gab es nun andere, neu auftretende Komplikationen. Die Erzeugung einer flach auf der Hornhaut liegenden Hornhautkappe (Flap) führte zu Sorgen bei einem möglichen stumpfen Augentrauma, die Schnitttiefe des Keratoms war gelegentlich schwankend und konnte damit für zu tiefem Abtrag und einer Instabilität der Hornhaut (Keratektomie) führen oder anderseits zu flachem Abtrag  und damit zum Abbruch der Operation (free flap). Auch gab es Fälle von gestörtem Einwachsen des Deckhäutchens der Hornhaut (Epithel-Einwachsung), die wiederholte Revisionen der Operation nötig machten.  1998 publizierten wir auf der DOC (Deutscher Ophthalmologen Congress) in Nürnberg unsere Auswertung der ersten Groß-Serie von Keratom-LASIK Operationen.

Anerkennung der Excimer-Augelasermedizin

Im Jahre 2000 veröffentlichte die vom Berufsverband der Augenärzte (BVA) und der deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) gegründete KRC (Kommisison für Refraktive Medizin) die Kriterien für eine sachgerechte Durchführung der Augenlaser-Operationen und verpflichtete die Augenlaserärzte zu einem jährliche Fortbildungszertifikat. Der Excimer-Laser-Eingriff an der Hornhaut war damit anerkannt, seine sicheren Grenzen gefestigt, Kontraindikationen erkannt und das ganze Verfahren wurde wissenschaftlich begleitet.

Technische Innovationen und Weiterentwicklung

Einen neuen Quantensprung in Sachen Sicherheit stellte die Einführung der Femtosekunden-Lasertechnik dar, die nun der Keratom-LASIK zunehmend den Rang ablief. Der Femto-Laser ermöglicht dreidimensional vorprogrammierte Schnitte in der Hornhaut, ohne diese zu eröffnen. Auch diese Technik musste anfangs sehr um Anerkennung kämpfen. Die sog. „Andock-Zeit“ ans Auge, die Zeit bei der der Blutfluss im Auge reduziert ist, war mit den anfangs verfügbaren 15.000Hz-Femto-Lasern im Minuten-Bereich im Vergleich zu der ca. 10 Sekunden Behandlung mit dem Keratom. Wir beschäftigten uns intensiv wissenschaftlich mit der Dynamik des Ansaugprozesses während der sog. „Photodisruption“ des femto-Lasers in Kooperation mit der Technischen Universität München, die in Prof.Dr.Chris Lohmann einen ambitionierten Augenlaserspezialisten als ärztlichen Direktor erhielt. Wiederholt wurden unser Erkentnisse auf den Jahreskongressen der ASCRS (American Society of Cataract & Refractive Surgery) vorgetragen. Wieder war die „VisuMed AG“ in München eine ersten kommerziellen Anbieter, die die Femto-Technik routinemäßig ausführten. Es folgten aber relativ schnell der 30.000Hz, dann der 60.000Hz bis hin zu 120.000Hz Laser, womit die Femto-Technik vergleichsweise schnell ablief wie das Keratom, jedoch den Vorteil hatte, dass die Behandlung wesentlich kontrollierter überwacht werden konnte, da man während des Einsatzes des Femto-Lasers den Schnittverlauf mitbeobachten kann. Die Probleme Fehlschnitt, Saugungsverlust, zu tiefe Schnitte, Epithel-Einwachsung waren in unseren Händen nunmehr aus der Welt geschafft. 2007 publizierten wir auf internationaler Ebene auf der Tagung der ASCRS (American Society of Cataract & Refractive Surgery) wieder eine Groß-Serie von SBK-LASIK Operationen mit Risiko-Analysen und gaben Empfehlungen ab für eine spezielle Technik der Eröffnung der Hornhaut-Kappe, des „Flap“, die sog. „Flaporhexis“.  Wir führen seitdem die Technik mit den schnellsten verfügbaren Lasern durch und überwachen die Hornhautdicke während des Laserabtrages in Echtzeit, um zu jedem Zeitpunkt volle Kontrolle über den Operationsverlauf zu haben. Im Nov.2007 erklärte die NASA die nun SBK (Sub-Bowman´s-Keratomileusis) getaufte Augenlaseroperation wegen ihres hohen Sicherheitsstandards zur Operation der Wahl für Jet-Piloten und Astronauten.

Die Entwicklung geht weiter

Seit 2012 ist eine weitere vom Ansatz her grundsätzlich andere Operations-Technik auf dem Markt. SMILE (Small Intrastromal Lentikle Extraction). Hier wird in der beschriebenen Femto-Lasertechnik im Inneren der Hornhaut ein linsenförmiges Modell vorgeschnitten, durch einen kleinen Kanal aus dem Gewebe gelöst und mit Pinzette herausgezogen. Nun sinkt die Oberfläche der Hornhaut ein wie das Gelände im Kalkgebirge, wenn sich in der Tiefe eine Doline gebildet hat. Obwohl wir uns für dieses Verfahren zertifiziert haben, halten wir uns mit der Bewertung desselben ausnahmsweise noch zurück, da man bei diesem Verfahren viele Sicherheitsaspekte der Excimer-Operation, die voll elektronisch gesteuert und überwacht werden, aufgibt und in die Hände der manuellen Steuerung des mehr oder weniger geschickten Operateurs legt.

Schlussbemerkung

Trotz aller Schwierigkeiten und möglicher Gefahren halten wir die refraktive Chirurgie zur Beseitigung der Fehlsichtigkeit für sicher. In diesem Bewusstsein haben wir schon mehrere bekannte Augenärzte operiert, wie auch Familienmitglieder Freunde und Bekannte. Ich selbst bin in SBK-Technik operiert und schreibe dies Zeilen trotz sog. Altersichtigkeit ohne Brille.

Wir wünschen Ihnen den persönlichen Erfolg beim Sehen ohne Brille: „Mee(h)r Sehen ohne Brille“